Der ewige Nobelpreis-Aspirant: Autor der Gegenwartsliteratur Haruki Murakami wird 70

Der ewige Nobelpreis-Aspirant: Autor der Gegenwartsliteratur Haruki Murakami wird 70

Er gehört zu den bekanntesten Autoren der Gegenwartsliteratur. Am Samstag wird der Japaner Haruki Murakami 70 Jahre alt.

Die Sache mit dem Literaturnobelpreis oder genauer mit dem möglichen Gewinn des Literaturnobelpreises verfolgt den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami seit vielen Jahren. Wenn es auf den Oktober zugeht, jener Monat, in dem der Preisträger für gewöhnlich in Stockholm verkündet wird, dann steht der Name Murakami immer ganz oben auf der Liste. Das muss, soviel wissen wir, nichts heißen. Philipp Roth, der im vergangenen Jahr starb, stand ebenso verlässlich auf der Liste wie Murakami und ging doch leer aus.

Nun weiß man noch nicht, ob der Preis nach der schweren Krise der Schwedischen Akademie im Jahr 2018 in diesem Jahr überhaupt wieder verliehen wird. Und man weiß auch nicht, ob Murakami sich überhaupt über den Preis freuen würde. Als er es im vergangenen Jahr auf die vierköpfige Finalliste eines alternativen Literaturnobelpreises schaffte, teilte er der Jury kurzerhand mit, dass man ihn bitte von der Liste streichen möge. Ein Affront? Wohl kaum. Vielmehr der ernst gemeinte Hinweis darauf, dass es Dinge im Leben des japanischen Schriftstellers gibt, die ihm wichtiger sind als Preise. 

Schreiben und joggen 

Schreiben zum Beispiel. Und joggen. Beides gehört für ihn unzertrennbar zusammen. Um 5 Uhr morgens die Laufschuhe schnüren und nach dem Laufen an den Schreibtisch. Der immer gleiche Trott, jeden Tag. Er wolle sich auf seine literarische Arbeit konzentrieren, hatte er im Vorjahr der alternativen Jury mitgeteilt. Typisch Murakami. Mit Arroganz hat das nichts zu tun, sondern vor allem mit eiserner Selbstdisziplin. Murakami, der Vielschreiber. Murakami, der ewige Nobelpreisaspirant. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

An Murakami scheiden sich die Geister. Entweder man mag ihn und sein Schreiben oder man kommt überhaupt nicht damit klar. Die Gruppe derer, die ihn schätzt, ist sehr groß, Murakami ist längst zu einem gefeierten Star der Weltliteratur geworden. Seine Bücher, wie die unlängst in kurzer Abfolge hintereinander erschienenen Romane „Die Ermordung des Commendatore Band 1 und 2“ sind stets Bestseller. Und immer sind sie dick, schön barock muss es sein. Und gerne auch ein bisschen verrückt. Das realistische Schreiben ist nicht sein Ding. Es sind einzigartige Welten, die der Japaner erschafft. Voller stoischer, merkwürdiger Charaktere, übernatürlicher Ereignisse und innerer Abgründe. Sie handeln von Menschen, die sich aus der gleichförmigen Masse als Individualisten herausheben, beschreiben aber auch ihr Scheitern und wecken dennoch Sympathien für sie.

Mit dem Schreiben begann Murakami 1975 nach seinem Uni-Abschluss, während der Individualist damals eine Jazz-Bar in Tokio betrieb. Sein Debüt als Autor hatte er 1979, als er für sein in Japanisch geschriebenes Werk „Hear the Wind Sing“ den Gunzo-Preis für Nachwuchsautoren gewann. In dem Werk erlebten die Kritiker einen von westlicher Kultur geprägten Autor, der den Einfluss des Pop auf das moderne Leben thematisierte. Seither hat er zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Aufsätze verfasst. Murakamis Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und zum Teil als Filme oder als Bühnenstücke adaptiert. 

Kein Drang in die Öffentlichkeit 

Vor kurzem hat er seiner Alma Mater sämtliche Manuskripte seiner Bücher und Übersetzungen versprochen. Zu diesem Zweck plant Murakami eine Bibliothek an der Elite-Universität Waseda in Tokio. „Ich bin mehr als glücklich, wenn diese Materialien für jene von Nutzen sein können, die meine Arbeiten studieren möchten, egal ob sie Japaner oder Nicht-Japaner sind“, sagte Murakami auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Es war im Übrigen die erste seit 37 Jahren. Ein weiterer Beweis dafür, dass den scheuen Japaner nichts in die Öffentlichkeit drängt. Schreiben will er. Und Laufen. Ein Leben lang. Und wenn am Ende doch noch der Nobelpreis dabei herausspringen sollte, dann wird er ihn verdient haben. Herzlichen Glückwunsch, Haruki Murakami!

(dpa/afp)