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Aachen/Jülich: Auto „aus Versehen” in die Luft gejagt

Aachen/Jülich : Auto „aus Versehen” in die Luft gejagt

Im Prozess um die tödliche Verwechslung eines vermeintlichen Nebenbuhlers am 21. November vorigen Jahres in Jülich hat der wegen Totschlages und schwerer Brandstiftung vor dem Aachener Schwurgericht angeklagte 59-jährige Jordanier auch am zweiten Tag nicht zur Sache ausgesagt.

Nur ab und an brach es am Dienstag vor der Kammer aus ihm heraus, als sein aus Aachen stammender Fahrer Einzelheiten von der tragischen Mesalliance zwischen ihm und einer jungen Irakerin preisgab. „Der lügt, Herr Richter, das tut er immer”, erklärte der sonst stumme Geschäftsmann aus Offenbach. Die Verwechslungstragödie war Endpunkt einer Terror-Beziehung, die 2001 begann, als die 22-jährige Irakerin in Deutschland um Asyl nachsuchte. Die beiden lernten sich kennen und lieben, er gab ihr Geld. Nach der einseitigen Trennung soll der Angeklagte sie eifersüchtig durch die ganze Republik verfolgt haben.

Das bestätiget gestern ein 42-jähriger seit Jahren arbeitsloser Schreiner. Auf ihn war der Angeklagte bei der Verfolgung seiner Irakerin zwischen Aachen und Düren gestoßen, als er einen ortskundigen Fahrer suchte. „Was haben Sie denn dafür bekommen?”, wollten Verteidigung wie Richter Gerd Nohl wissen. Das Problem bei dem Zeugen waren dessen schwammige Angaben. „Zehn oder 20 Euro pro Fahrt”, gab er zögerlich an. Unverständnis beim Verteidiger. „Ich fahre auch nicht nur für Benzingeld von Köln nach Aachen zum Prozess”, zweifelte er. Doch der psychisch etwas labile Zeuge („Ich nehme zur Beruhigung Medikamente”) blieb standhaft.

Die Sache in Freiburg

Es sei eben seiner Lebenslage entgegen gekommen, meinte er fest. Im Kern bestätigte er die völlig fanatische Eifersucht des Angeklagten. Der habe vor einem Asylantenheim „aus Versehen ein Auto in die Luft gejagt”. Aus Versehen? Ja, seine Irakerin sei da nicht drin gewesen. Er habe ihm auch von der Sache bei Freiburg erzählt und meinte damit die Brandlegung in einem Gasthaus, in dem die Irakerin kellnerte.

Die junge Frau sollte am Dienstag gehört werden. Weil ihre Mutter allerdings bei einem Bombenanschlag in Bagdad im August schwer verletzt wurde, wird sie erst am 10. September in Deutschland zurück erwartet. Das Verfahren geht am Donnerstag weiter.