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Regensburg: Ausstellung zeigt das Ende des alten Reiches

Regensburg : Ausstellung zeigt das Ende des alten Reiches

Vor 200 Jahren wurde in Regensburg die Landkarte Mitteleuropas mit einer bürokratischen Entscheidung neu gezeichnet.

Durch den so genannten Reichsdeputationshauptschluss wurden 1803 die deutschen Gebiete vom Immerwährenden Reichstag weit gehend neu geordnet.

Die Ausstellung „1803 - Wende in Europas Mitte” im Regensburger Historischen Museum will an das dadurch besiegelte Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen erinnern.

Die damaligen Entscheidungen bestimmen bis heute die Geographie Europas und markierten die Wende vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter.

Bayerns Kunstminister Hans Zehetmair bezeichnete bei der Eröffnung am Mittwoch das Jahr 1803 als eine epochale Wende in der Mitte Europas. Es sei „ein Zeitpunkt, an dem der Lauf der Geschichte kurz anhält und im nächsten Augenblick neu beginnt.”

Auch Bayern habe damals wesentlich seine heutigen Grenzen erhalten. „Der König galt nun als Organ dieses Staates, nicht mehr als dessen Besitzer oder Verkörperung.”

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss sollten die Fürsten für die Gebietsverluste entschädigt werden, die durch die Kriege nach der Französischen Revolution verursacht wurden.

Der Regensburger Reichstag verfügte am 25. Februar 1803, dass alle kleinen Territorien des alten Reiches, das zuvor fast 1800 Herrschaftsbereiche hatte, aufgelöst werden. Bistümer, Klöster und Grafschaften verloren Besitz und Macht.

Die Regensburger Ausstellung beleuchtet den Weg zu diesem weit reichenden Entschluss Anfang des 19. Jahrhunderts und zeigt auch die Entwicklung danach.

Für die Dokumentation wurden rund 550 Exponate zusammengetragen, darunter zahlreiche Leihgaben aus dem In- und Ausland. Einen großen Teil widmet die Ausstellung dem damals mächtigsten Mann Europas, Napoleon Bonaparte.

Der französische Kaiser spielte auch in der Regensburger Geschichte eine besondere Rolle. Im April 1809 erstürmten Napoleons Truppen im Kampf gegen das österreichische Militär die Donaustadt. Im Auftrag Napoleons schuf Charles Thèvenin später ein monumentales Schlachtengemälde davon. Das Bild hat das französische Nationalmuseum im Schloss Versailles für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Auf dem Gemälde ist Napoleons Schimmel ohne den angeblich verletzten Kaiser zu sehen. Diese Darstellung sei ein Teil der PR des Feldherrn gewesen, erklärt Angerer. „Napoleon hatte immer eine gute Propagandamaschine dabei.”

Der Legende nach hatte er bei Regensburg die einzige Kriegsverwundung seiner Laufbahn erlitten. Obwohl der Streifschuss tatsächlich wohl nur eine Schramme war, ließ Napoleon dies in Paris als Top-Nachricht vermarkten.