Ausstellung in Stolberg würdigt Ludwig Schaffrath

Werke von Ludwig Schaffrath im Zinkhütter Hof : Der Kosmos eines unermüdlichen Künstlers

Eine Ausstellung im Zinkhütter Hof Stolberg würdigt den Maler, Bildhauer und Hochschullehrer Ludwig Schaffrath. Sie ermöglicht einen umfassenden Einblick in das Werk des Alsdorfer Künstlers.

So nah kommt man ihm selten: Bei der 13. Ausstellung der Reihe „in memorian“ in der Villa Museum des Stolberger Industriemuseums Zinkhütter Hof steht der Alsdorfer Maler, Bildhauer und Hochschullehrer Ludwig Schaffrath (1924-2011) im Mittelpunkt. Organisiert und ins Leben gerufen hat die Ausstellungsreihe Karl-Heinz Oedekoven, der mit Sebastian Wenzler, Direktor des Zinkhütter Hofes, einen engagierten Partner gefunden hat. Seit 2013 hat der Museumschef Künstler wie Karl Fred Dahmen, Carl Schneiders, Maria Katzgrau und zuletzt Benno Werth präsentiert. „Industriekultur und Kunst, das harmoniert sehr gut“, sagt er.

Kostbarkeiten aus dem Nachlass

Als Kuratorin stellt Ursula Schaffrath-Busch, die Tochter des Künstlers, Kostbarkeiten aus dem Nachlass des Vaters zur Verfügung. Ludwig Schaffrath, der als Glasgestalter in der ganzen Welt Anerkennung fand, in den USA, in Deutschland und Japan lehrte, wurde durch hoch aufragende Fenster in Kirchen, öffentlichen und privaten Gebäuden berühmt, die durch ihre kraftvolle Bündelung von Form und Licht bis heute faszinieren. Die Aachener Grabeskirche St. Josef, wo auch seine Urne beigesetzt ist, leuchtet im Licht der Schaffrath-Fenster.

Die Ausstellung ermöglicht ein Gefühl für den vielfach interessierten Künstler, der, wie seine Tochter bestätigt, jede aufkommende Technik ausprobieren wollte, Acryl- mit Ölfarbe mischte oder die Kohle schräg über das Papier zog. Rund 40 Exponate aus der Zeit von 1948 (da begann sein Studium) bis 2010 sind in den beiden Parterre-Räumen der Villa Zinkhütter Hof zu sehen. Geht man zunächst auf Abbildungen etwa von Schaffraths Kirchenfenster aus Herz Jesu in Stolberg-Münsterbusch zu, das ein nahezu organisches „Herz“ in eine spirituelle Helligkeit legt, wird der Blick schnell geschärft für das Ungewöhnliche.

Aus den frühen Jahren stammen Gouachen, konstruktivistische Fingerübungen, noch düster und streng. Dazwischen: ein Gobelin, gewebt aus dunklen Farben, gleichfalls abstrakt und finster. Immer wieder findet man Studien zu Aufträgen, das vieldeutige Labyrinth etwa, eine Bleistiftzeichung, aus der eine Tür für das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler wurde. Eine Öl-Acrylarbeit von 1960 in feierlichen Gold-Braun-Tönen erinnert an alte asiatische Kunst, andere Gemälde zeigen Schaffraths naturwissenschaftliches Interesse. Gemälde wie Zellschnitte unter dem Mikroskop, verrätselte, nachdenkliche Formen.

Blau wird zur Lieblingsfarbe

Bewegend auf dunklem Grund ein „Fünfpass“. Das traditionelle fünfteilig gerundete Grundelement im Maßwerk von Kirchenfenstern, rot umrandet, hatte sich Schaffrath als Motiv für seine Todesanzeige gewünscht und hierzu perfekt vorbereitet. „Er hat einen Tag vor seinem Tod noch gezeichnet“, erzählt seine Tochter. Die stilistische Entwicklung des Künstlers, der zudem als kunstvoller Kalligraph Bischofssiegel und diverse Urkunden zum Internationalen Karlspreis gestaltet hat, lässt sich im Zinkhütter Hof nachvollziehen. Lichtes Blau wird in den späteren Jahren seine Lieblingsfarbe, in breiten Kreidestrichen findet man seinen Fingerabdruck, eine bewusste zusätzliche Signatur.

In späteren Jahren arbeitet Schaffrath zunehmend in Rundungen, Entwürfe bauten sich aus dem unendlichen Kreis auf. „Manchmal hat er einen Zirkel benutzt, die meisten Strukturen hat mein Vater jedoch aus der Hand gezeichnet“, staunt heute noch seine Tochter.

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