Aachen: Ausstellung im Kunsthaus NRW: Ein Museum ist ein Museum, oder?

Aachen : Ausstellung im Kunsthaus NRW: Ein Museum ist ein Museum, oder?

Das Vorab fürs Protokoll: Das Kunsthaus NRW in Aachen-Kornelimünster ist kein Museum, sondern eine Sammlungsverwaltung, die über die Jahre gewachsen ist. Die Frage ist aber: Was macht eigentlich ein Museum aus? Dem geht eine feine Ausstellung mit Werken von drei in Köln arbeitenden Künstlerinnen auf wohltuend spielerische Art und Weise nach.

#likeamuseum wird am Samstag im Rahmen eines Festes eröffnet, mit dem Kunsthausleiter Marcel Schumacher und sein Team verschiedene Formate eines Museums austesten wollen.

Kunst auf Tasse

Es gibt natürlich Kunst, es gibt einen Vortrag (Prof. Georg Imdahl spricht über Kunst im Spannungsfeld zwischen „Ambition und Autonomie“), Performances (Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck bewerten einen Quadratmeter Kornelimünster, Stephanie Gudra erzeugt Klangcluster mit der E-Gitarre) und Musik (Elektroklänge mit Orage Plastique), es gibt einen Workshop (die Festgäste können die Künstler-, Kuratoren- oder Kritikerrolle einnehmen) und Essen und Getränke. Der Garten des Kunsthauses dient dabei verstärkt als Präsentationsfläche.

Tanja Goethe bringt mit ihrer Arbeit selten zu sehende Werke aus der Sammlung zum Vorschein; sie verankert sie im musealen Gedächtnis. Gemeinsam mit Architekturstudenten der Technischen Hochschule Köln hat sie alte, in Büroräumen der Landesverwaltung entstandene Polaroid-Aufnahmen der Kunstwerke in Aquarelle transformiert und diese auf Sammeltassen gebrannt. Die sind im Shop des Kunsthauses zu sehen; man kann sie kaufen oder aus ihnen Hopfen-Tee trinken von Pflanzen, die Goethe selbst angebaut hat.

Pauline M‘barek geht den Kategorien auf den Grund, die für ein sammelndes und forschendes Museum notwendig sind, um ein Objekt überhaupt erfassen zu können.

In dem Video „Object ID“ werden 55 Fragen eingeblendet, die ethnologische Fragen an die Kunst stellen: „What ist the history oft he object?“ „What does the object represent?“ Mit neuen Skulpturen rückt sie das „handelnde Gegenüber des Objektes“ in den Fokus: Filigrane Gipsabgüsse von Sandgrabungen, in denen die Finger der Künstlerin noch erkennbar sind. Artefakte, pflanzliche Formen? Jede Kategorie trifft — und auch wieder nicht.

Selma Gültoprak ist mit mehreren Arbeiten vertreten. „Embodied break“ zum Beispiel ist ein Objekt, das sich erst im Auge des Betrachters vervollständigt: Gipsabdrücke der Hufe und des Vorderkopfs von Pferden, naturgetreu angeordnet im Garten des Kunsthauses. Man erkennt: Das Tier frisst. Irritierend und erhellend zu gleicht. Nicht weit davon entfernt steht die schwarz-rot-gold besprühte „Bushaltestelle Deutschland“, die Gültoprak in Köln aufgebaut hat und die mittlerweile durch Graffiti „veredelt“ wurde. Wer wartet hier? Worauf? Und warum eigentlich? Grundsätzliche Fragen, die Kunst gerne stellt — ob im Museum oder anderswo.

Infos im Internet unter kunsthaus.nrw.

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