Aachen: Ausstellung: Hommage an eine systemkritische Zeitschrift

Aachen : Ausstellung: Hommage an eine systemkritische Zeitschrift

1959 gründet Vaclav Havel in der Tschechoslowakei die Zeitschrift „plamen. literatur kunst leben.“ (plamen = Flamme), ein derart subtil-subversives Blatt, dass die staatlichen Geldgeber gar nicht merken, welch systemkritisches Ei ihnen die Autoren und Grafiker da ins Nest gelegt haben.

Nach dem Prager Frühling wird die Publikation 1969 verboten. „Ab der Zeit taucht dann Plamen als männlicher Vorname auf“, erklärt der in Wien lebende bulgarische Künstler gleichen Namens: Plamen Dejanoff. Der Neue Aachener Kunstverein (NAK) widmet dem 46-Jährigen jetzt eine Ausstellung.

Dejanoff hat die letzten, kaum noch aufzufindenden Hefte der wichtigsten journalistischen Plattform der Prager Kunst- und Literaturszene zusammengetragen, 15 finden sich drapiert er auf einem großen Tisch. Den grafischen Schriftzug „plamen“ und die Titelseite ließ er überdimensional in Bronze gießen.

Dejanoff geht noch weiter und vervollständigt seine Hommage an „plamen“ mit der Herausgabe einer Neuauflage der Zeitschrift. Sie entsteht gerade in Aachen mit Unterstützung durch den NAK und soll international präsentiert werden: im Kunsthaus Graz, Salzburger Kunstverein, mumok in Wien und im Mamco in Genf. Seinen Namen Plamen versteht der Künstler offenbar als Verpflichtung.

Die Neuausgabe ist unter anderem einem rebellischen Charakter gewidmet, der wie Dejanoff selbst aus der gleichen Stadt Weliko Tar-nowo stammte: der Fußballspieler Trifon Ivanov (1965-2016), heute in Bulgarien als Nationalheld gefeiert. Ein nonkonformistischer Exzentriker erster Güte, Liebling des Publikums in der Heimat, in Spanien, Österreich und der Schweiz, aber von fast jedem Verein in kürzester Zeit gefeuert.

Ein Angebot von Barcelona lehnte er ab, um lieber zu Hause in der zweiten Liga zu spielen. Dejanoff hat Titelseiten von Sportzeitungen aus der ganzen Welt gesammelt, die Ivanov ein Cover gewidmet haben und sie ins „plamen“-Format übertragen — außerdem Fußballtrophäen aus Porzellan-Teilen aus Servicen nachgebaut.

Eröffnung: Samstag um 19 Uhr, Passstraße 29. Bis 21. Mai, Di.-So. 14-18 Uhr.

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