1. Kultur

Aachen: Auftrumpfender Virtuose: Pianist Michael Endres bei „Quintessence”

Aachen : Auftrumpfender Virtuose: Pianist Michael Endres bei „Quintessence”

Ein Klavierabend in der Kammermusikreihe Quintessence: Das ist eine Rarität.

Der international renommierte Pianist Michael Endres, der das Quintessence-Publikum mit einem Schubert-Programm erfreute, musste wie mancher vor ihm seine Erfahrungen mit den Tücken der Krönungssaal-Akustik machen.

Bei aller Differenzierung des Anschlags klingt der Flügel obertonarm, mulmig in der Mittellage und in den Bässen. Daran vermag auch die Vielzahl von ausgehängten und ausgelegten Teppichen kaum etwas zu ändern.

Das war aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem Abend. Endres präsentierte ein ausgesprochen interessantes und abwechslungsreiches Programm, das neben Originalkompositionen aus der Hand Schuberts auch drei Schubert-Liedbearbeitungen von Franz Liszt enthielt.

Die Originalkompositionen Schuberts entstammten sämtlich dem Todesjahr 1828 des Komponisten. Das gilt für die selten zu hörenden Drei Klavierstücke D 946 wie für die vorletzte Sonate in A-Dur D 959.

Schuberts reife Meisterschaft, die Doppelbödigkeit seiner vordergründig volkstümlich klingenden Melodik, die raffinierte Harmonik mit ihren oft atemberaubenden Modulationen, die scharfen emotionalen Kontraste der einzelnen Teile: All dies wurde in der Interpretation durch Michael Endres vorbildlich herausgearbeitet.

Schuberts Kompositionen ergreifend interpretiert

Sein singender Ton, die Makellosigkeit seines Legatos, die Differenzierung des Klangbildes, die Herausarbeitung von Mittelstimmen, wo sie denn vorhanden sind, sind mustergültig und lassen die durch und durch homophone Kompositionsweise, der jeder polyphone Ansatz fehlt, vergessen.

Das gilt für die drei Klavierstücke, die eine schlichte Reihenform mit Rondocharakter aufweisen, ebenso wie für die A-Dur-Sonate, deren ergreifende Trostlosigkeit des langsamen Satzes mit ihrem aufrührerischen, wild dahinjagenden Mittelteil und der wunderschönen, liedhaften Thematik des Final-Rondos Schubert auf seiner absoluten kompositorischen Höhe zeigt.

Endres ließ die liedhafte Melodik frei ausschwingen und schattierte Schuberts vielbewunderte Modulationen sorgfältig ab.

Dass er auch ein auftrumpfender Virtuose sein kann, das beweis seine Wiedergabe der drei Liszt-Bearbeitungen Schubertscher Lieder.

Liebesbotschaft, Lindenbaum und Forelle wurden unter seinen Händen zu Meisterleitungen feiner Charakterisierungskunst, die die Liedmelodien in den jeweils unterschiedlichen Lagen fein herausmodellierte und Liszts bisweilen etwas vordergründiges rankenhaftes Beiwerk klanglich abschattierte.

Gelegentliche kleine Unsauberkeiten beeinträchtigten das insgesamt hohe spieltechnische Niveau kaum. Eine Folge von Schubert-Tänzen und das Charakterstück „Pensée fugitive” von Bedrich Smetana waren Beifall umrauschte Zugaben.