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Aachen: Auftritt voller Überraschungen: Al Di Meola

Aachen : Auftritt voller Überraschungen: Al Di Meola

Seit Anfang der 70er Jahre tingelt Al Di Meola durch die Weltgeschichte, doch in Aachen erlebte er etwas ganz Neues: „Erstaunlich, in einem Museum habe ich noch nie gespielt”, bemerkte der amerikanische Ausnahmegitarrist und schien dabei voller Wohlgefallen zu Jeff Koons „Cicciolina”-Skulptur herüberzublinzeln.

Das Ambiente des Ludwig Forums - für den 49-Jährigen ganz offensichtlich Inspiration genug, um sich zu einem fantastischen Konzert aufzuschwingen, bei dem der Funke fast ohne Anlaufphase ins Publikum übersprang.

Zum furios gespielten letzten Zugabetitel erhoben sich die meisten Zuhörer von ihren Sitzen, klatschten zur Musik auf der Bühne einen temperamentvollen Flamenco-Rhythmus und wollten ihren Star und seine drei Mitstreiter gar nicht mehr in den Feierabend entlassen.

Lässiger Virtuose voller Experimentierfreude

Es war der Dank für einen Auftritt voller Überraschungen. Bei Al Di Meola kann man nie wissen, welch verblüffende Klänge er den Saiten im nächsten Moment entlockt.

Vorbei ist die Zeit, als der durch seine sensationell schnellen Gitarrenläufe zu Ruhm gelangte Musiker sich weitgehend dem Fusion-Bereich, dem Mix aus Jazz und Rock, verschrieb. Heute präsentiert sich der geradezu aufreizend lässige Virtuose voller Experimentierfreude, nimmt seine Fans mit auf einen Ritt durch die Weltmusik.

Da nehmen die Töne urplötzlich eine orientalische Färbung an, dann vermengt er argentinischen Tango mit rasanten Jazz-Improvisationen, um nach einem Ausflug ins Pop-Genre oder auch zur klassischen Gitarre wieder bei den die aktuellen Kompositionen prägenden lateinamerikanischen Rhythmen, nicht zuletzt dem Salsa, zu landen.

Al Di Meola lässt es zu Beginn meist ruhig angehen. Da wabern mitunter die in seinen früheren Werken ungewohnten melancholischen Synthi-Teppiche über die Bühne, gerät gar eine Miniatur-Triangel für Sekunden in den Blickpunkt.

Doch unmerklich kündigen im Hintergrund unruhig pulsierende Percussion-Rhythmen einen baldigen Wechsel an, und mit einem abrupten Schnitt läutet die Band die Wende zu deutlich härterem Stil von hoher Komplexität ein - um wenig später bereits wieder in eine softere Phase zu gleiten.

Vorzüglich dabei auch Al Di Meolas Begleitmusiker. Neben Drummer Ernie Adams brillierte vor allem der argentinische Pianist Mario Parmisano, der mit seinen Soli leider zu selten wirklich zur Geltung kam.

Auffällig auch Percussionist Gumbi Ortiz, dessen von schelmischem Grinsen begleitetes Zusammenspiel mit Al Di Meola irgendwo zwischen Duell und Duett zu einem der Höhepunkte des Abends avancierte. Keine Frage: Die vier in die Jahre gekommenen Herren vereint eine ansteckende Spielfreude, so dass man von ihnen noch einiges erwarten kann.