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Jacques Offenbach: Auftakt mit rheinischem „Spass an d’r Freud“

Jacques Offenbach : Auftakt mit rheinischem „Spass an d’r Freud“

Der 200. Geburtstag des Komponisten Jacques Offenbach wird in Köln ein Jahr lang gefeiert. Eröffnungskonzert mit Erstaufführung.

„Yes, we CanCan!“ Mit dem Neujahrskonzert des Gürzenich-Orchesters wurde das Kölner Offenbach-Jahr in der voll besetzten Kölner Philharmonie in Anwesenheit von Ministerpräsident Armin Laschet offiziell eröffnet.

Das ganze Jahr hindurch wird der 200. Geburtstag des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach mit mehr als 125 Veranstaltungen gewürdigt. Keine in der Domstadt relevante Gruppierung enthält sich der Ehrung. Weder die städtischen und freien Kulturinstitutionen noch die Karnevalisten oder die Domherren und erst recht nicht etliche engagierte jüdische und französische Vereinigungen bleiben außen vor.

Denn nicht nur der Musiker Offenbach soll in einem neuen umfassenden Licht betrachtet werden, sondern auch dessen Position als deutscher Jude im Frankreich des 19. Jahrhunderts.

So tiefschürfend ging es im Eröffnungskonzert noch nicht zu. Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Ministerpräsident griffen diese Themen zwar in ihren Ansprachen auf: Auf der Bühne ging es jedoch vor allem um rheinischen „Spass an d‘r Freud“.

Trotz der Deutschen Erstaufführung eines lange Zeit verschollenen Einakters blieb man noch liebgewonnenen, aber fragwürdigen Traditionen der Offenbach-Rezeption treu. So mit Carl Binders romantisch aufgedonnerter Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“, die mit dem spitzen Esprit Offenbachs wenig zu tun hat. Und auch der überdrehte Einakter „Oyayaye oder Die Königin der Inseln“, eine Menschenfresserei in einem Akt, verleitete Regisseurin Sabine Hartmannshenn und die vorzüglichen Solisten Matthias Kling und Hagen Matzeit nur zu einem kalauerreichen Umgang mit der 40-minütigen Travestie.

Aus der skurrilen Handlung hätte sich mehr holen lassen: Ein Kontrabassist schläft vor seinem Solo ein, wird aus dem Orchester gewiesen und landet voller Verzweiflung auf der Insel einer liebestollen Kannibalin, die den eher lendenlahmen Musiker zwar nicht im Bett vernaschen kann, dafür aber noch intensiver im Kochtopf. Zudem erweist sie sich als exzellente Kennerin der großen Oper, wenn sie einen Wäschezettel mit allen Künsten des italienischen Belcanto zum Besten gibt. Offenbach von seiner schrillen Seite, in Köln noch platt serviert. Trotz des dynamischen Einsatzes von Maestro Alexandre Bloch am Pult des Gürzenich-Orchesters.

Brillanter Cellist

Immerhin demonstrierte der Cellist Pablo Ferrández mit Ausschnitten aus der „Grande scène espagnole“, welch brillanter Cellist Offenbach gewesen sein muss. Und mit der Ouvertüre zu Offenbachs romantischer Oper „Die Rheinnixen“ erinnerte man an den Ursprung der berühmten „Barcarole“.

www.yeswecancan.de.