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Aachen: Aufpassen klappt eben nicht immer

Aachen : Aufpassen klappt eben nicht immer

Basaltemperatur-Messung à la Knaus-Ogino oder volkstümliches „Aufpassen” (Coitus interruptus) - veraltete Verhütungsmethoden im Zeitalter von Pille und Pflaster? Nicht ganz, denn praktiziert wird auch im 21. Jahrhundert solch altmodisch anmutende Kontrazeption.

Was dann allerdings wenig Sicherheit verspricht und unerwünschte Folgen haben kann. Praktische „Aufklärung” tut also noch immer Not, und das nicht nur bei jungen Mädchen und Frauen. Reichlich Stoff dazu bot der „Verhütungs”-Abend der Reihe Frau&Gesundheit.

Zum Auftakt der Veranstaltung im Forum M der Mayerschen Buchhandlung verwies Moderatorin Sabine Rother, Redakteurin unserer Zeitung, auf die über zwei Millionen Links, die Google zum Thema „Verhütung” liefert. Doch was wissen wir wirklich?

Risiken und Nebenwirkungen

Besondere Gäste des Abends, de in Zusammenarbeit Abend, mit den Aachener Nachrichten, der Mayerschen Buchhandlung und dem Universitätsklinikum Aachen veranstaltet wurde, waren vier Auszubildende des Zeitungsverlags Aachen, die Medienkaufleute für digitale Medien und Printmedien werden wollen.

Informativ, aufschlussreich und frauenspezifisch waren die Referate der drei „Fachfrauen”, die dann auch vom Publikum ausgiebig befragt wurden. Den Anfang machte Dr. Barbara Luck, Fachärztin in der Klinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin im Uniklinikum Aachen. Ihr anschaulicher Überblick über gängige Methoden ging auch auf wichtige Kriterien von Verhütungsmitteln ein, also auf Sicherheit, einfache Handhabung und überschaubare Kosten.

Hormonell gesteuerte Verhütung wurde ebenso angesprochen wie mechanische Möglichkeiten (Spirale, Diaphragma oder Portiokappe). Besonders günstig: Mechanische Mittel wie Spirale oder Vaginalring mit hormoneller Beschichtung. Gut verträgliche Kombi-Präparate (Pille mit Östrogen und Gestagen) stehen ebenso zur Verfügung wie die Dreimonatsspritze oder Hormonpflaster.

Bei der oralen Verhütung gibt es ein leicht erhöhtes Thromboserisiko, aber ebenso „positive” Nebenwirkungen wie geringeren Periodenschmerz und weniger Auftreten von Akne und Haarausfall. Ob junge Mädchen, stillende Mütter oder Frauen zu Beginn der Menopause mit schwankenden Zyklen: Für alle gibt es inzwischen Verhütung nach Maß.

Mögliche Nebenwirkungen immer mit Arzt/Ärztin abklären, riet auch die Referentin Dr. Andrea Schmitz-Rode, Fachärztin für Gynäkologie in Aachen. Kondome seien als sicher zu betrachten - bei richtiger Handhabung, die geübt werden könne. Sie seien rezeptfrei und schützten vor übertragbaren Krankheiten. Empfehlenswert besonders bei „unsicheren Partnerschaften”, also auch bei so genannten One-Night-Stands.

„Endgültige” Verhütung bietet die Sterilisation, bei der die Eileiter verschweißt werden - ohne Eingriff in den Hormonhaushalt. Geeignet für Frauen, die die Familienplanung abgeschlossen haben. Aber auch die „Pille danach” wurde in diesem Verhütungs-ABC durchbuchstabiert. ProFamilia-Mitarbeiterin Margrit Schaefer-Klocke berichtete, wie es trotz ausreichender Information und Aufklärung in der Schwangerschaftskonfliktberatung von Pro Familia immer viel zu tun gibt: 600 Frauen pro Jahr fragen sich und die Beraterinnen: „Was ist schief gegangen?” Wie kam es zur ungewollten Schwangerschaft?

Ob nun Nichtwissen, Fehlinformation oder „medizinisches Versagen”, es gibt immer den „menschlichen Faktor”, so Schaefer-Klocke, die besonders beim spontanen Sex Gefahrenzonen sieht: „Einmal ist kein Mal”, glauben viele immer noch. Oder: „Aufpassen” ist doch „bisher immer gut gegangen”. Das geht eben nicht immer gut.