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Düsseldorf: Auferstanden aus den Ruinen in Flingern

Düsseldorf : Auferstanden aus den Ruinen in Flingern

In Flingern tritt die Tristesse den Rückzug an. Dampfender dunkler Asphalt, blitzender Chrom und dunkles Glas fressen langsam aber sicher die herunter gekommenen Lagerhallen und Industriebrachen. Inmitten der rostzerfressenen Ruinen wächst Düsseldorf.

Inmitten dieser Ruinen wächst auch ein totgesagter Sportverein. Angekommen am Abgrund wie so vieles in Flingern, hat die einst stolze Fortuna die Kehrtwende geschafft. Nach einem torlosen Remis gegen die Amateure von Bayer Leverkusen, feierte Düsseldorf das Ende des ultimativen Super-Gaus „Oberliga” und die Rückkehr in die Regionalliga. 7000 Fans brüllten ebenso herzergreifend wie schief in die Nacht: „Nie mehr Oberliga...”

„Diese Begeisterungsfähigkeit ist Wahnsinn. Man sieht: Die Leute sind hungrig nach Fortuna und hungrig nach Erfolg”, schwärmte Thomas Allofs, Stürmer in Bundesliga-Zeiten und nun im Vorstand. Und er fügte hinzu: „Hut ab vor Trainer und Mannschaft.”

Smarter Italiener als reservierter Chorknabe

Der Trainer wiederum hatte seinen Hut, beziehungsweise seine schwarze Baseball-Kappe abgenommen. Während sich seine Spieler die Kleider ausgelassen vom Leib rissen, wirkte der smarte Italiener Massimo Morales wie ein reservierter Chorknabe. „Die Emotion kommt bestimmt später. Komisch, das ist meine erste Meisterschaft als Trainer und ich bin noch ganz cool”, sollte er später geradezu entschuldigend diktieren.

Es waren Morales und nicht zuletzt der General Manager Fußball, Thomas Berthold, die die Fortuna zurück in die Erfolgsspur führten. Ex-Nationalspieler Berthold bewies den Mut, mit Morales ein in Deutschland bislang vollkommen unbeschriebenes Blatt zu verpflichten. Einen gelernten Kaufmann und nicht zuletzt einen guten Kumpel von Maestro Giovanni Trappatoni. Unter ihm arbeitete Morales einst als Assistent bei den Bayern, war später Chefscout für den AC Mailand oder Trainer in Ghana. Ein Wagnis. Doch Morales überraschte alle.

Seine „professionelle Mischung aus Disziplin und Spaß” (Torjäger Frank Meyer) verschaffte ihm den ungeteilten Respekt eines Teams, das gezielt formiert wurde. „Der Großteil der Mannschaft wird auch in der Regionalliga dabei sein. Ein paar Neue brauchen wir aber”, plant Morales. Gehandelt wird der Gladbacher Stürmer Marcel Podszus. Seine Laufbahn beenden will dagegen Kapitän Michael Zeyer (35).

So viel steht fest: Fortuna sieht die Regionalliga nur als Durchgangsstation. Berthold hatte bei seinem Amtsantritt noch großspurig erklärt, in drei Jahren in der 2. Bundesliga spielen zu wollen. Nun bleiben zwei Jahre für den finalen Klassensprung. „Wir werden konzentriert in diese Richtung arbeiten”, versprach Morales seiner neuen Heimat.

Finanzstarker Sponsor

Die hat den Stellenwert der Fortuna wieder entdeckt. Mit den Stadtwerken wurde ein finanzstarken Hauptsponsor für die Regionalliga vorgestellt, Top-Spiele sollen im neuen Rheinstadion ausgetragen werden. Die Basis scheint geschaffen. Massimo Morales stapfte jedenfalls in die dunkle Nacht und sprach es wie einen Treueschwur: „Dieser Verein gehört in die erste Liga.”