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Aachen: Auf Suche nach kulturellen Wurzeln

Aachen : Auf Suche nach kulturellen Wurzeln

Kaum eine Region auf dem Globus hat in den letzten Jahrzehnten eine derart rasante Entwicklung vollzogen wie die Vereinigten Arabischen Emirate. Wo in den Sechzigern kameltreibende Beduinen in der Wüste hausten, da prunken heute dank des Ölbooms die teuersten Hotels der Welt.

Jetzt besinnt man sich in den Scheichtümern hier und da auf die gemeinsamen kulturellen Wurzeln, allen voran eine Gruppe von Künstlern, genannt die „Fünf”. Das Aachener Ludwig-Forum stellt sie in einer neuen Ausstellung vor.

Die von Annette Lagler zusammengestellte Ausstellung firmiert unter dem viel sagenden Titel „5/U.A.E.” (so viel wie „The Five from the United Arab Emirates”) und entspricht in ihrer Zielrichtung noch dem alten Konzept des Forums, als „Fenster zur Welt” Einblicke ins Kunstschaffen fremder Länder zu gewähren.

Die Arbeiten der „Fünf” dokumentieren das offenbar wachsende Bedürfnis am Golf, vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Umbuchs eine verloren gegangene Volkskultur zu rekonstruieren.

Hassan Sharif und seine Freunde reflektieren und kommentieren diesen Prozess in ihren Arbeiten. Dabei bedienen sie sich einer internationalen Kunstsprache, die sie Größen wie Marcel Duchamp, Joseph Beuys oder Piero Manzoni abgeschaut haben.

Der unscheinbare Alltagsgegenstand, sei es ein abgebrochener Kamm oder eine zerknüllte Konservendose, wird zum Vehikel künstlerischer Botschaften oder Umschreibungen geistiger Zusammenhänge.

Hassan Sharif trägt Haufen um Haufen von verknoteten Pappstücken, umwickelten Bündeln oder verschnürten Eimerchen zusammen und beschwört so die kulturelle Leistung der Handarbeit.

Mohamed Ahmed Ibrahim formt aus Pappmaché fiktive Agrar-Werkzeuge, die bisweilen wie Zwitter aus Pflug und Schlitten wirken, und demonstriert damit den Wunsch nach Rückbesinnung und naturverbundenem Leben.

Mohamed Kazem reflektiert die eigene Biographie, indem er seinen Körper fotografisch als Medium von Sprache oder Vergleichsmaßstab zu diversen Objekten präsentiert.

Abdulla Al Saadi zeigt auf Rollbildern nostalgisch anmutende Ansichten von Oasen, deren altertümliche Bewässerungsanlagen heute keiner mehr braucht. Und Hussain Sharif lässt raumfüllend einen Trupp von Drahtmännchen aufmarschieren - Titel: „Streik”.

Die Ausstellung geht zurück auf eine Anregung des Direktors des Kunstcentrums Sittard, Jos Clevers, und auf eine Einladung an das Ludwig-Forum, sich an der Kunstbiennale 2001 im Emirat Sharjah zu beteiligen, ausgesprochen von seiner Hoheit Scheich Sultan bin Mohamed Al Quassimi. Dort lernte Annette Lagler dann die „Fünf” kennen.

Während der Eröffnung am Freitag um 20 Uhr spielt der Bagdader Musiker Raed Khoshaba Shammon auf dem Zupfinstrument Ud. Außerdem wird der arabische Film „Zwischen zwei Ufern” über die Arbeit eines Bootsmannes gezeigt. Begleitet wird die Schau von einem museumspädagogischen Rahmenprogramm.

Kunst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten im Ludwig-Forum. Eröffnung: Freitag, 6. September, 20 Uhr. Dauer: bis 17. November. Katalog: 35 Euro. Geöffnet: Di./Do. 10-17, Mi./Fr. 10-20, Sa./So. 11-17 Uhr. 0241/18070.