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Köln: Auf Expedition zu unserem Bild vom Tier

Köln : Auf Expedition zu unserem Bild vom Tier

Die Pfoten-Abdrücke auf dem Boden sind nicht zu übersehen. Sie sind groß und leuchten in Pink und Gelb. Ihre geschlängelte Spur führt vom Foyer des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud direkt in den Keller. Wer ihnen folgt, kann eine Safari der ganz außergewöhnlichen Art erleben.

Mit der von ihm und Kuratorin Louise Lippincott konzipierten Ausstellung „Tierschau: Wie unser Bild vom Tier entstand” gibt der neue Direktor Andreas Blühm einen kolossal spannenden Einstand.

Die Schau ist ehrgeizig, opulent und fantasievoll. Sie reicht zeitlich von der Ur- bis zur Neuzeit. Sie versammelt Gemälde und Skulpturen, Präparate und Fossilien, Fayencen und Holzschnitte, Zeichnungen und Spiel-Elemente, Filmisches und Radierungen. Und - als Clou des Ganzen - eine echte Wunderkammer.

Dabei dreht sich alles ums Tier. Genauer gesagt, um das Bild jenes Geschöpfes, das mal als Freund und mal als Feind des Menschen charakterisiert wird und ihm mitunter ganz emotionslos auch einfach nur als Forschungsobjekt dient.

Sieben Zonen

Wie hat sich dieses Bild in den letzten 400 Jahren gewandelt? Und welche Rolle spielte die Kunst bei dieser sich verändernden Anschauung? Mehr als 120 Darstellungen von Meistern wie Gaul, Delacroix, Doré, van Gogh und Marc helfen, diese Fragen zu beantworten.

Die Kunst-Expedition ins Tierreich führt durch sieben Zonen. Die thematische Zuordnung verdeutlicht jeweils eine eigene leuchtende Farbe, mit der der Hintergrund gestrichen ist. Zwischen den bunten Wänden erwecken Gitterstäbe den Eindruck, sich tatsächlich in einem Zoo zu befinden.

„Auf Entdeckungsreise - Ferne Welten” (Hellgrün) entführt ins 16. und 17. Jahrhundert. Exotische Tiere besaßen damals Seltenheitswert und Menschen wie der Tiermaler Jean-Baptiste Oudry (1686-1755, der seine Modelle in der Menagerie von König Ludwig XV studieren konnte, eine Ausnahmestellung.

„Unter der Lupe” und „In den Tiefen der Vorzeit” (Hellblau) widmen sich dem im 18. Jahrhundert aufkommenden, verstärkten Interesse an mikroskopischen Untersuchungen und fossilen Funden. Versteinerte Flugsaurier sind dort zu sehen, Fayencen, die von Fröschen, Schleichen und Hummern bevölkert werden oder der Holzschnitt eines Gustave Doré, der 1865 auf der Arche Noah die Dinosaurier vermisste. „Menschen und Affen” (Rot) führt den Primaten als kostümierten Höfling vor, als Dachreiter und Memento-Mori-Figur mit Totenschädel.

Als „äffischer” Maler und Kunstkritiker karikiert er den Menschen und seine eitlen Ambitionen. „In der freien Wildbahn” (Dunkelgrün) trifft der Besucher auf kämpfende Elche oder einen Löwen, der ein Pferd verschlingt, aber auch auf Tiere, die einander zärtlich, in fast paradiesischer Unschuld zugewandt sind wie Delacroix´ „Spielende Tiger” (um 1830). „Gewalt und Liebe” (Violett) thematisiert die Gegenpole Tierhätschelei- und Quälerei.

Eine orangefarbene Extra-Abteilung ist dem Tierschutz gewidmet. Mit am schönsten ist die rund ums Tier entstandene Wunderkammer mit Laboratorium, Dioramen, Exotika und Kuriositäten zwischen den beiden Ausstellungsflügeln. Entwickelt und aufgebaut haben sie drei Schulklassen unter Leitung des Künstlers und Biologen Klaus Fritze. Bereits 2004 realisierte er, im Auftrag des Fraunhofer-Instituts, ein ähnliches Projekt im Aachener Krönungssaal.

Gerade für junge Besucher dürfte das, in Verbindung mit zahlreichen museumspädagogischen Angeboten, ein echter Magnet werden. Die Erwachsenen zieht es da eher ins Herzstück der Ausstellung, die (in Türkis) „Das Tier als Motiv” zeigt. Etwa von August Gaul (1890-1921), Vincent van Gogh oder Franz Marc. Gauls Bronzen „Römische Ziegen” (1899) und „Zwei Pinguine” (um 1916) bekräftigen seinen Ruf, Deutschlands bedeutendster Tierbildhauer zu sein.

Van Goghs „Fliegender Hund” (1886) und sein „Krebs, auf dem Rücken liegend” (1889) zeigen eine ganz andere Seite des Niederländers, abseits von Landschaften und Blumen. Und Marcs „Drei Katzen” (1913) einmal nicht als Reproduktion, sondern im Original sehen zu dürfen, ist ein Erlebnis. Wie auch die ganze Ausstellung ein Erlebnis ist: Für Kinder, Erwachsene, Biologen, Kunstliebhaber - und, nicht zuletzt, auch für Tierfreunde.

Ausstellung „Tierschau: Wie unser Bild vom Tier entstand”, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Obenmarspforten (am Kölner Rathaus), Telefon 0221/22127694.

Dauer: bis 5. August.

Geöffnet: Di. 10-20, Mi.-Fr. 10-18, Sa./So. 11-18 Uhr.

Eintritt: 9 Euro, erm. 6 Euro. Katalog: 144 Seiten, 14 Euro.