1. Kultur

Aachen: Auf der Suche nach dem künstlerischen Funken

Aachen : Auf der Suche nach dem künstlerischen Funken

Das Ludwig Forum für Internationale Kunst ist längst auch zur Adresse für alle geworden, die von modernem Tanz im Dialog mit ganz unterschiedlichen Medien fasziniert sind.

Über 100 Compagnien aus aller Welt haben sich in den letzten acht Jahren auf den Weg gemacht, um bei „Schrittmacher” das Programm zu bereichern.

Veranstaltungsleiter Rick Takvorian hat dieses ungewöhnliche Festival, das von der Ludwig-Stiftung gefördert wird, aufgebaut und betreut es bis heute. Vom 8. März bis 24. Mai verspricht er ungewöhnliche Ein- und Ausblicke. Die Aachener Zeitung präsentiert „Schrittmacher 2003”.

Die Videos stapeln sich bei Rick Takvorian, Briefe, Anrufe - all das ersetzt jedoch nicht das persönliche Erleben, die Kontaktaufnahme mit jenen, die sich förmlich darum reißen, bei „Schrittmacher” im Ludwig Forum mitzuwirken.

„Wir sind glücklich über die großartige Resonanz, und inzwischen kann man auch sehr gut unterscheiden, wer wirklich Neues zu bieten hat oder wer nur nachmacht, was andere ausgedacht haben”, sagt der Veranstaltungsleiter, der natürlich leidenschaftlich gern durch die Welt reist, um sich mögliche Kandidaten für jenes Festival anzusehen, das in acht Jahren seines Bestehens stetig an Renommee gewonnen hat.

„Schrittmacher” - das ist unter experimentierfreudigen Tänzerinnen und Tänzern, die im Spiel mit der Realität auch andere Medien und Originalmusik einbinden, eine gute Adresse.

Wenn am 8. März das MS-Tanzwerk (Deutschland/Schweiz) mit „Blind Date - Körpertheater” den großen Reigen eröffnet, werden Performance, Videoprojektion und Körpermalerei ein sinnliches Nachdenken über die Frage anregen, wie im menschlichen Miteinander Kommunikation und Kontakt überhaupt noch funktionieren, wie die Technik nach unseren Sinnen greift und wie nah die Gefahr ist, „Menschen ohne Eigenschaft” zu schaffen.

„90 Prozent der angebotenen Tanzprojekte sind eher krampfhafte Versuche, den modernen Tanz in Verbindung mit heutigen Gedanken und mit den Möglichkeiten der Medien zu bringen”, hat Takvorian beobachtet. „Nur bei zehn Prozent ist ein echter kreativer Prozess zu erkennen.” Wann für ihn und „Schrittmacher” eine Produktion reizvoll ist? „Wenn ich den Wow-Effekt spüre, ein Staunen, wenn es magische Momente gibt”, meint er. „Dann haben wir es mit Niveau und Qualität zu tun.”

Schwerpunkt in diesem Jahr ist Großbritannien. Drei britische Tanzformationen, die in ihrem Land bereits gefeiert werden, treten mit sehr unterschiedlicher Prägung innerhalb der neun Produktionen auf, deren Teilnehmer zudem aus den USA, aus Deutschland, Belgien, Japan und Korea kommen.

Mit Walker Dance & Park Music unter der Leitung von Fin Walker kommen Stars der Szene nach Aachen, deren Mitwirken sogar vom Land NRW und vom British Council gefördert wird, wie Takvorian von seiner Sponsoren-Suche berichten konnte.

Man geht diesmal von der Bühne des Space nicht nur mehrfach in die Mulde im Herzen des Museums, sondern erstmals auch an einen anderen Ort: Im Mörgens des Aachener Theaters (Mörgensstraße) zeigt am 26. April Minako Seki aus Japan ihre Umsetzung von Butoh-Tanz und deutschem Ausdruckstanz zu „Ex Oriente Lux”.

Für die Zuschauer wird es nicht nur sinnliche Erlebnisse, sondern auch einige Überraschungen geben, wie der Veranstaltungsleiter verspricht. Vergnügliches soll neben Nachdenklichem stehen.

„Wanderer, deine Spuren sind der Weg”, die Inschrift, die man in einem Kloster in Toldeo fand, ist zum Beispiel Grundgedanke für die Choreografie der Compagnie Irene K. aus Belgien (22. März), eine amerikanisch-deutsche Kooperation beschäftigt sich mit dem Gefühl des Fallens (Jess Curtis/ Gravity und fabrik Potsdam, 5. April), dann wieder beleuchten visuelle Effekte und realistische Bilder die Spielarten von Träumen und Erinnerungen (Vera Sander Art Connects, 24. Mai).

Rundum ein vielschichtiges, reizvolles Programm, das so manche Entdeckung möglich macht - für junge Leute ab 13 Jahre sogar am eigenen Leibe beim Workshop am 28. März.