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Auf Busspur gewendet: aufgespießt

Auf Busspur gewendet: aufgespießt

Maastricht (an-o) - Als sie wieder klar denken konnte, erinnerte sie das Erlebte eher an James Bond, denn an den Abschluss eines Maastricht-Besuches: Monika Roska wendet auf einer Buspur, weil sie sich verfahren hat. Da schießt eine Metallstange aus dem Boden. Der Wagen: Totalschaden.

"Bussluisen" nennen die Niederländer die perfiden Fallen, die Autofahrer daran hindern sollen, auf eine Busspur zu fahren. Eine 80 Zentimeter hohe Metallstange, kann per Knopfdruck vom Bus aus im Boden versenkt werden. Dann fährt der Bus drüber, danach springt die Stange wieder nach oben.
So jedenfalls erklärt Nico Prick, Pressesprecher der Stadt Maastricht, das System, das dem Öffentlichen Nahverkehr fahrplanmäßige Abfahrten gewährleisten soll.

Monika Roska hat lange in den Niederlanden gelebt und gearbeitet, kennt die rigide Einstellung der Niederländer zu Autofahrern und findet sie prinzipiell auch in Ordnung: "Doch dass ich für ein kleines Vergehen mit einem wirtschaftlichen Totalschaden bestraft werde, das ist geradezu verachtend", sagt sie.
Die Aachener Krankenschwester war bis dahin Besitzerin eines kleinen, blauen Fiat Cinquecento, jetzt hat sie noch einen Haufen Blech, der "maximal 50 Euro wert ist".

Die aus dem Boden herausschießenden Poller zerrissen Motor und Getriebe, der vordere Teil des Wagens ist verzogen. An dem Tag in Maastricht hat sie ihre studierende Tochter besucht und wollte auf dem Rückweg noch bei ihrer Schwester vorbeifahren, die ebenfalls bei Maastricht wohnt.
"Aber ich habe mich verfahren, es war halb elf nachts und kein Verkehr mehr, da habe ich halt auf der Busspur gewendet." Dabei habe es einen großen Knall gegeben: "Ich hatte einen richtigen Schock", erzählt die 51-Jährige. Zum Glück seien Anwohner auf die Straße gekommen, die der verängstigten Frau geholfen haben.

Nico Prick kann sich den Vorfall nur so erklären: "Die Frau muss direkt hinter dem Bus hergefahren sein." Monika Roska hingegen ist sicher, dass der Bus bereits an der Haltestelle geparkt stand.

Die Polizei in Maastricht sieht Roskas "Horrorerlebnis" ganz pragmatisch: "Diese Fälle sind sehr selten, vielleicht zwei Mal im Jahr passiert so etwas." In dieser Rechnung ist allerdings Frau Roskas "kleiner Blauer" nicht drin. Sie ist dem Rat der Anwohner gefolgt, und hat die Polizei nicht geholt, denn "dann hat man noch mehr Ärger".