Junge Kunst aus Belgien: Arnaud Eubelen stellt im Neuen Aachener Kunstverein aus

Junge Kunst aus Belgien : Arnaud Eubelen stellt im Neuen Aachener Kunstverein aus

Dieser Dachschaden hat sein Gutes. Und Schönes. Denn er wird zu Kunst. Zwar hat es in Arnaud Eubelens Lütticher Wohnzimmer ziemlich reingeregnet, aber für den 28-jährigen Künstler war die nasse Überraschung eine Inspiration. Die Ergebnisse sind jetzt in seiner Ausstellung „Porous Walls Reminiscence“ im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) zu besichtigen.

Keine Sorge, das weinumrankte Domizil im Stadtgarten muss nicht um die Stabilität seiner Mauern fürchten, auch das Dach hat der Belgier nicht angebohrt. Eubelen hat die Andeutung eines Hauses im Haus gebaut, mit durchlässigen „Wänden“ und einer Art Dach. Er betrachtet die Wände eines Hauses als Haut und fragt sich: „Was passiert, wenn du diese Haut entfernst, dahinter schaust, wenn sie aufgebrochen wird?“

Auf den zwei Etagen ergeben sich zahlreiche Durch-, Ein- und Ausblicke, (Sicht-)Beziehungen zwischen innen und außen. Eubelen, der in Lüttich und Brüssel Industriedesign studiert hat, kombiniert industrielle Abfallprodukte und Materialien, die er auf der Straße findet, zu Collage-Objekten, die manchmal an Möbel erinnern. Der eigenartige Material-Mix bedient allerdings keinen 1:1-Realismus. Alles ist verschoben und verfremdet, schräg und leicht irritierend. Da wird etwa ein Stück Plastikparkett plus Glas mit Tropfenoptik (der Dachschaden!) zum Tisch, aus dem eine Weinflasche mit Kerze wie aus dem Keller wächst.

Die erste Solo-Schau des Belgiers in Deutschland findet in der Reihe „Junge Kunst Euregio“ mit Unterstützung des Aachener Energieversorgers Stawag statt. NAK-Direktor Maurice Funken lobt Eubelens „einzigartige Position an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Design“. Ein Künstlerbuch soll Anfang 2020 erscheinen.

Unten erklingt passend House-Musik, in die obere Etage führt der Lärm brausender Autos, den Eubelen in seiner Künstlerwohnung an der Jülicher Straße aufgenommen hat. Oben, „auf dem Dach“, werden Lüftungsrohr, Dachpappe und Kieselsteine zum Kunstwerk „Rooftop Lovers“. Ja, da dürfen Sie Platz nehmen!, betont Eubelen. „Just to enjoy!“ Autolärm, Aus-, Ein -und Durchblicke einfach genießen.