Meisterleistung bei Meisterkonzert: Antwerp Synphony Ocherstra mit Dirigent Nicholas Collon überzeugt in Aachen

Meisterleistung bei Meisterkonzert: Antwerp Synphony Ocherstra mit Dirigent Nicholas Collon überzeugt in Aachen

Offenbar spricht sich unter den Aachener Musikfreunden langsam herum, dass in der neu belebten Reihe der Meisterkonzerte unter neuer Leitung hochwertige Klangkörper mit attraktiven Programmen auftreten. Jedenfalls war im dritten Konzert der Reihe wieder ein deutlicher Publikumszuwachs zu verzeichnen.

Zu Gast war das Antwerp Symphony Orchestra mit einem jungen, hochinteressanten Dirigenten: dem Engländer Nicholas Collon.

Das in den Streichern groß besetzte, international hoch geschätzte Orchester wartete mit einem überaus interessanten Programm auf, das mit dem „Appalachian Spring“ des amerikanischen Komponisten Aaron Copland begann, ein zu einer Orchestersuite zusammengestelltes Ballett, das 1944 uraufgeführt wurde und die Zeit der Pioniere im Osten der USA zum Thema hat. Schon hier bestach das Orchester mit einer hohen und sensiblen Klangkultur, meisterte überdies die vielen rhythmischen und metrischen Tücken unter der souveränen Leitung Collons mit Bravour.

Sergej Rachmaninows 4. Klavierkonzert war eines der Schmerzenskinder des Komponisten, erlebte einige Überarbeitungen und erreichte mit seiner oft ungewohnt schroffen, zerklüfteten Diktion nie die Popularität der Konzerte zwei und drei. Deren Weltschmerz-Ohrwürmer treten hier nur rudimentär auf. Der Klavierpart ist ähnlich anspruchsvoll, hoch virtuos, und verlangt dem Solisten das Letzte an Kraftreserven ab. Der russisch-israelische Pianist Boris Giltburg bringt alles mit, was dieser Part verlangt: große Virtuosität, sensible und und differenzierte Anschlagskultur mit einem singenden Ton, und schließlich die große Pranke, die die Klaviermusik Rachmaninows nun einmal verlangt.

Da die klangliche Abstimmung und das Zusammengehen mit dem Orchester geradezu perfekt waren, gelang eine mitreißende und packende Aufführung dieses an sich spröden Werkes, die das Publikum begeistert honorierte. Giltburg spielte als Zugaben zwei Stücke aus Rachminows Préludes op. 23, traumhaft schön und sensibel. Im zweiten Teil dann Antonín Dvořáks Sinfonie Nr 7 d-Moll, eine der schönsten des böhmischen Meisters, der um thematische Einfälle nie verlegen war.

Collon bot mit dem glänzend disponierten, in allen Instrumentengruppen hervorragend besetzten Orchester eine äußerst straffe, die durchgearbeitete sinfonische Struktur betonende Interpretation voller Spannung und Leuchtkraft. Das böhmische Kolorit dieser Musik fand seinen Höhepunkt in dem hinreißend musizierten Scherzo.

Insgesamt eine interpretatorische Meisterleistung von Orchester und Dirigent, deren Spannungsbogen bis zum letzten Ton aufrecht erhalten wurde. Ein grandioses Konzert, das den entsprechenden Beifall des Publikums fand.

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