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Aachen: Anklage gegen Serienmörder erhoben

Aachen : Anklage gegen Serienmörder erhoben

Zwei bis drei Monate wird es erfahrungsgemäß dauern, dann steht Aachen ein spektakulärer Prozess ins Haus: gegen den mutmaßlichen Serienmörder, der gestanden hat, von 1983 bis 1990 fünf Anhalterinnen im Raum Aachen erdrosselt, zwei von ihnen auch vergewaltigt zu haben.

Der große Schwurgerichtssaal im neuen Justizzentrum wird dann seine erste große Bewährungsprobe bekommen, mit riesigem Interesse der Öffentlichkeit ist zu rechnen. Denn nicht nur die Scheußlichkeite der Taten ist außergewöhnlich, auch die Art der Aufklärung - teilweise nach mehr als 25 Jahren: Ausfindig gemacht wurde der Mann durch Fortschritte in der DNA-Analyse. Oberstaatsanwalt Robert Deller: „Ohne diese Technologie wäre der Täter wahrscheinlich nie gefasst worden.”

Die 15 bis 31 Jahre alten Opfer des Mannes waren als Tramperinnen auf dem Weg zu oder von Diskotheken oder Freunden, als sie zu dem jetzt 51 Jahre alten Mann ins Auto stiegen. Die erste war eine 18-Jährige, die von Aachen-Richterich nach Herzogenrath-Merkstein fahren wollte. Im Jahr danach brachte er zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche um, drei Jahre später war es wieder eine 18-Jährige, wiederum drei Jahre später eine 31-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage wegen fünffachen Mordes und zweifacher Vergewaltigung erhoben. Bei ihrer Zulassung durch die Schwurgerichtskammer dürfte es sich nur eine Formsache handeln. Dem ehemaligen Versicherungskaufmann könnte nicht nur lebenslängliche Haft, sondern die Feststellung besonderer Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung drohen.

Gefasst worden war er im März dieses Jahres beim Diebstahl von Alteisen im Raum Heinsberg, anschließend stimmte der Metalldieb einer Speichelprobe zu. Diese ergab dann die Übereinstimmung mit dem genetischen Fingerabdruck, der nach dem ersten Mord 1983 genommen worden war.

Die große Frage, die sich nach diesem späten Erfolg stellte, war, ob der Vater eines achtjährigen Sohnes, der zuletzt arbeitslos war, für weitere Bluttaten in Frage kam. So mancher Fahnder hatte seine Zweifel daran, dass der Mann die Serie schwerster Taten 1990 wirklich eingestellt hatte. Unaufgeklärt ist bis heute auch der Mord an einer 18-Jährigen aus Aachen, die 1986 verschwunden und tot in der Rur in Broich gefunden worden war. In der niederländischen Provinz Limburg gab es ebenfalls eine Serie unaufgeklärter Mädchenmorde in dieser Zeit.

Die Aachener Polizei richtete nach der Festnahme des Mannes deshalb eine zwölfköpfige Sonderkommission ein, die allen Spuren nachgegangen ist, ohne dass dem Mann ein weiteres Tötungsdelikt nachgewiesen werden konnte. Deller: „Er selbst macht keine Angaben dazu.”

Die Sonderkommission kann jedoch jederzeit wieder ihre Arbeit aufnehmen, sollten sich neue Erkenntnisse ergeben. Die Aachener Polizei hatte in den 80er Jahren und auf danach große Anstrengungen unternommen, die Mordserie aufzuklären, unter anderem durch eine Fernsehfahndung - ohne Ergebnis.

Auch vor dem damals weit verbreiteten Trampen war mehrfach eindringlich gewarnt worden. Die Serie der Tötungen riss trotzdem nicht ab. Über den jeweiligen Stand der Ermittlungen waren die Angehörigen der fünf Opfer umgehend informiert worden, auch psychologische Betreuung war gewährleistet. Dennoch wird der Prozess für sie zu einer Belastungsprobe werden, etwa für die Eltern der Opfer.

Nach bisherigen Untersuchungen gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der 51-Jährige für seine Taten nicht verantwortlich sei, sagt Deller.