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Bonn: Angela Merkel als Jeanne dArc karikiert

Bonn : Angela Merkel als Jeanne dArc karikiert

Es war und ist kein Politiker vor ihn sicher. Seit vier Jahrzehnten karikiert Dieter Hanitzsch Staatsmänner und -frauen aus Ost und West.

In der „Süddeutschen Zeitung”, der „Münchner Abendzeitung” und dem „Bonner General-Anzeiger”, in der „Berliner Morgenpost”, in „Focus” oder „Quick” brachte er mit spitzer Tuschefeder auf den Punkt, was die Gemüter erregte.

Zu seinem 70. Geburtstag würdigt das Bonner Haus der Geschichte den Karikaturisten mit einer Sonderausstellung.

Das Spektrum reicht von frühen Werken Ende der 1950er Jahre bis heute und umfaßt insgesamt mehr als 150 Exponate. Dieter Hanitzsch, der 1933 in Böhmen geboren wurde, hat nicht von Anfang an Karikaturen gezeichnet.

Aus dem gelernten Bierbrauer wurde ein studierter Brauwissenschaftler und Ökonom, der später als Werbemann Erfolg hatte („Gut, besser, Paulaner”), ehe er als Redakteur zum Bayrischen Rundfunk ging.

Sein Hobby - das Zeichnen von Satiren - machte er erst im Alter von 50 Jahren zu seinem Beruf. Der Mann mit dem Schnauzbart, der heute teils in Müchen-Waldperlach, teils auf Gran Canaria lebt, hat Krisen, Kriege und Korruption kommentiert.

Ein Chruschtschow war vor ihm ebenso wenig sicher wie ein Eisenhower oder ein Charles de Gaulle. Die Galerie der Cartoons, Porträts und Zeichnungen führt über die Kuba-Krise, Vietnam und die Spiegel-Affäre bis hin zum Euro, Kanzler Schröder und dem 11. September.

Thematisch ist die Ausstellung in sechs Gruppen gegliedert: Damals, Gestern, Heute, Strauß, Bücher und Köpfe. Wo die Unterscheidung zwischen Gestern und Heute liegt, ist dabei nicht ganz klar, denn in beiden Abteilungen finden sich Arbeiten, die Anfang der 90er Jahre entstanden.

Immer wieder trifft man auf Hanitzschs „Lieblingsopfer” Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß, wobei letzterem Unsterblichkeit beschieden ist.

Auch nach seinem Tod gibt er häufig Gastspiele als Engel im weißen Wallegewand. Hanitzsch, der sich gerne als Handwerker verstanden wissen will, plündert munter Geschichte und Geschichten.

Seine Politiker tauchen im Gewand der Liberty, als Baron von Münchhausen oder Ludwig XIV auf. Gewappnet wie Jeanne dArc gibt Angela Merkel die Ritterin von der traurigen Gestalt, Michail Gorbatschow bricht als Kraftmensch unter dem Gewicht von Glasnost und Perestroika fast zusammen, und Norbert Blüm, von Pfeilen gespickt, wird zum Märtyrer-Zwillingsbruder des Heiligen Sebastian.

So umfassend und faszinierend die Ausstellung auch ist, sie hat zwei Fehler: Die Karikaturen hängen zu dicht aufeinander, und es fehlen die Erläuterungen, die im Begleitband gegeben werden.

Wenn man nicht weiß, wen Karikaturen darstellen, verfehlen sie ihren Zweck. Und jüngere Menschen werden weder wissen, wie der Leiter des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung 1956-1962 aussah, noch welche fünf Politiker als Nachfolger Adenauers im Gespräch waren.