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Aachen: Amouröse Gefühle im Park

Aachen : Amouröse Gefühle im Park

Theater kann wie Fußball sein: Die zweite Halbzeit rettet manchmal die ganze Partie.

Erst nach der Pause blitzt in der Komödie „Ein kleines Spiel ohne große Folgen” von Jean Dell und Gérard Sibleyras im Aachener Grenzlandtheater jener französische Esprit auf, den man von Boulevardstücken dieser besonders leichten Art erwartet. Die Premiere am Samstagabend ging als deutschsprachige Erstaufführung über die Bühne.

Die Geschichte ist in zwei Sätzen schnell erzählt: Claire und Bruno leben seit zwölf Jahren mehr aus Gewohnheit denn aus feuriger Leidenschaft zusammen. Ihre nur spaßeshalber verbreitete Ankündigung einer Trennung offenbart im Familien- und Freundeskreis völlig unerwartet, dass deren Mitglieder einen solchen Entschluss längst für überfällig halten...

Eine Parklandschaft hat Charles Copenhaver mit Videounterstützung auf die Bühne gezaubert. Hier sprießen die amourösen Gefühle zwischen dem hereinschneienden Serge (Harald Pilar von Pilchau) und Claire (Susanne Evers) auf der einen und Axelle (Ruth Hornemann) und Bruno (Ralf Stech) auf der anderen Seite. Dazwischen funkt der drollige Patrick (Michael-Che Koch) - eine Art proletarischer Terrier, der beständig schwitzend vor lauter Sportlerwahn am liebsten noch beim Futtern mit der Frisbee-Scheibe schmeißen würde.

Ideal besetzt

Typmäßig ist die Komödie ideal besetzt, doch am Anfang fehlt dem Ensemble und der Regie (Manfred Langner) etwas die stückadäquate Lockerheit und Leichtigkeit, um auch das auszuspielen, was die Dialoge nur behaupten.

Denn der putzmuntere Bruno alias Ralf Stech zum Beispiel macht so gar nicht den Eindruck eines langweiligen, erschlafften Warmduschers, wie die frustrierte Claire es beklagt. Allerdings ist er in einem für junge Paare wesentlichen Betätigungsfeld eine Niete - für die Dramaturgie à la francaise durchaus ein salonfähiger Knackpunkt.

Nach einem Gläschen Sekt in der Pause können die flotteren Dialoge bis zur unerwarteten Wende zum Schluss tatsächlich amüsieren; vermutlich haben sich die fünf einfach freigespielt, was für die weiteren Vorstellungen Gutes verheißt.

Einfach süß und mit viel Charme spielt Ruth Hornemann die verliebte Axelle, gleichfalls Susanne Evers die verführungsentwöhnte Claire. Ralf Stech gelingt es mit wirkungsvoller Mimik gut, die komischen Momente seiner Rolle herauszustreichen, ebenso Michael-Che Koch, der allein mit seinem kernigen Auftreten manche Lacher auf seiner Seite hat. Harald Pilar von Pilchau gefällt mit einer witzig verschmitzt-hintergründigen Art. Heike M. Schmidt besorgte die sommerlichen Kostüme. Herzlicher Beifall.

Einen Infarkt vor dramatischer Aufregung muss man während der zwei Stunden nicht befürchten - ein sehr sanftes Vergnügen leitet die Saison diesmal am Grenzlandtheater ein, das mit Stücken von Sobol, Hauptmann, Schiller und Schmitt noch reichlich Gehaltvolles in petto hat.