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Aachen: Amadéo: Ostasien sehr stark vertreten

Aachen : Amadéo: Ostasien sehr stark vertreten

Ausgerechnet Hannover ist der ideale Ort, um das Klavierspiel zu studieren. „Die Stadt ist so langweilig, dass man einfach üben muss”, sagt die Südkoreanerin Kim Sae-Nal. Hinzu kommen natürlich noch bekannte Lehrer an der Musikhochschule.

So verwundert es nicht, dass gleich zwei der fünf Finalisten des Prix d´Amadéo des Piano 2008 ihre akademischen Zelte an der Leine aufgeschlagen haben. Drei Tage lang wetteiferten 28 junge Pianisten im Aachener Hotel Quellenhof um die begehrten Trophäen.

49 Bewerber aus 22 Ländern

Die hatten die Chefjuroren Andreas Frölich und Ilja Scheps von der Aachener Musikhochschule schon vorher aus 49 Bewerbern aus 22 Herkunftsländern ausgewählt. Die Sieger: der Anglo-Australier Jayson Gillham (Algemeen Burgerlijk Pensioenfonds Preis, 5000 Euro), Kim Sae-Nal (Babor Musikpreis, 1500 Euro), Ju-Eun Lee (Korea, Mozarteum Salzburg) und Jia Wang (China, Musikhochschule Aachen).

Die 28 Musiker stellten sich je 20 Minuten lang musikalisch Jury und Publikum vor. Dann gingen die zehn Besten an den Start, um die fünf Finalisten unter sich auszumachen. Hier konnten die Musiker für ihr je einstündiges Solokonzert ihr Repertoire relativ frei wählen - nur eine Beethovensonate war Pflicht, sonst ging die Musik vom Barockmusiker Johann Sebastian Bach bis hin zum modernen japanischen Komponisten To-ru Takemitsu (1930-1996).

Schließlich konnten die fünf besten lediglich unter den Mozartschen Klavierkonzerten auswählen, die der Komponist selbst für das Zusammenspiel mit einem Streichquartett autorisiert hatte (KV 413, 414, 415, 449). Tatsächlich gab es allerdings nur das Klavierkonzert in A-Dur (KV 414) und das in Es-Dur (KV 449) zu hören. Bei der Endbewertung zählten alle Konzerte an allen drei Tagen.

Chinesisches Naturtalent

Besonders Ostasien war mit 17 Bewerbern und vier von fünf Finalisten stark vertreten. Einer, der es immerhin unter die besten Zehn geschafft hat, war der gerade einmal 16-jährige Chinese Jia Julian Zhichao. Seine Nachbarin in Kanton, nördlich von Hong-Kong, hatte ihn mit ihrem Klavierspiel genervt, aber doch so fasziniert, dass er sich selbst einmal am Pianoforte versuchen wollte. Und der Junge hat sich dabei als so begabt gezeigt, dass die Familie in Kanton die Zelte abgebrochen hat und mal eben ins rund 9000 Kilometer entfernte Düsseldorf gezogen ist.

Dort studiert Julian an der Robert-Schumann-Hochschule, während der Vater versucht, sich ein Geschäft aufzubauen.

Der Sieger studiert zurzeit in London

Der Wettbewerbssieger Jayson Gillham „ist ein wahrer Musiker”, schwärmt Juror Werner Wittersheim über den Australier mit britischem Pass, der jetzt in der Heimat der Eltern an der Royal Academy of Music in London studiert.

Zum Wettbewerb stieß der sympathische Sydneyer durch das Internet und packte die Gelegenheit am Schopfe, einmal in Deutschland hineinzuschnuppern. Den Mozart-Sonderpreis von 1000 Euro, gestiftet von Jutta Kleine-Tebbe, ging an die Gesamtzweite Kim Sae-Na.

Literaturabend und kulinarisches Konzert

Am Dienstag findet um 20 Uhr im Quellenhof ein Literaturabend mit musikalischen Intermezzi statt. Festivalintendant Werner Janssen hat sich dabei humorvolle Gedichte aus der Weltliteratur ausgesucht.

Am Mittwoch haben die Zuschauer Gelegenheit, bei einem kulinarisch-musikalischen Konzert um 19 Uhr im Quellenhof die Musiker des Festivals zu hören und beim Essen kennenzulernen. Infos unter 0031/45/5620680.