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Moers: Alter und neuer Geist in Moers

Moers : Alter und neuer Geist in Moers

Ein paar Sorgen durfte man sich schon machen, als sich mit dem vergangenen Jahr der WDR als Mitveranstalter, Sponsor und Werbeträger aus dem Moers Festival verabschiedete.

Die Differenzen zwischen dem Sender und dem Gründer und künstlerischen Leiter des legendären Spektakels, Burkhard Hennen, waren am Ende nicht mehr zu überbrücken. In der Tat schien der berühmte Geist von Moers an Pfingsten 2003 ein bisschen durcheinander.

Für dieses Jahr bekennt sich Hennen zu einer gewissen Nostalgie und bringt auch eine Reihe von Moers-Veteranen auf die Bühne des Zirkuszelts im Schlosspark. Eben diese Dauergäste, wie der unermüdliche Gitarrenverfremder Fred Frith, die Saxophonzauberer Ned Ro-thenberg und Mars Williams oder der unglaublich vielseitige Posaunist Nils Wogram garantieren aber eindrucksvolle „Acts”.

Ob man unbedingt pünktlich am Freitag, 28. Mai, um 17.30 Uhr zur Eröffnung erscheinen muss, um die soundsovielte Big Band (diesmal kubanisch) von David Murray in Moers zu erleben, ist eine andere Frage. Spannender am gleichen Abend dürfte, so oder so, der Auftritt von Lockvogel Helge Schneider werden, den es heftig juckt, sich auch wieder als „richtiger” Jazzer zu präsentieren.

Wie immer aber darf man an den vier Tagen über Pfingsten mit echten musikalischen Entdeckungen rechnen, die das Festival zunehmend „weltmusikalisch” prägen. Vom portugiesischen Fado (Fernando Lameirinhas), über libanesischen HipHop (Clotaire K), französischen Sclavis-Jüngern (Collectif Slang) bis zu israelisch-arabischen Folkloristen und japanischen Elektronikern (Rovo) und einer sibirischen Stimmakrobatin namens Sainko Namtchylak reichen diese Namen, die man sich erst nach dem Konzert merken braucht.

Das dürfte auch auf Evelyn Glennie zutreffen, eine gehörlose Perkussionistin, die sich selbst über Schwingungen wahrnimmt und mit Fred Frith auftritt.

Eine ziemlich sichere Bank dürften sein: der Sänger David Thomas, bekannt von „Pere Ubu”, die NDR-Bigband unter Leitung des fantastischen Jazzrock-Arrangeurs Colin Towns, der äußerst filigrane Schlagzeuger Bill Bruford (Ex-King Crimson) und schließlich der norwegische ECM-Pianoromantiker Ketil Bjonrstad.

33. Moers Festival, Freitag, 28. Mai, 17.30 Uhr, bis Pfingstmontagabend. Festival-Karten kosten (Tageskasse) mit African Dance Night (Sonntag, 22 Uhr) 85 Euro, ohne 75 Euro, erm. 38/ 25 Euro. Tageskarten 32 Euro, Dance Night alleine 25 Euro.

Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung, 0241/5101192. Infos unter: http://www.moers-festival.com