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Köln: Altenberg statt Australien: Weltjugendtag ist auch in Deutschland

Köln : Altenberg statt Australien: Weltjugendtag ist auch in Deutschland

Altenberg statt Australien, Speyer statt Sydney: Wenn rund 6000 junge Katholiken aus Deutschland am anderen Ende des Globus beim Weltjugendtag mit von der Partie sind, sollen auch die Daheimgebliebenen nicht ausgeschlossen bleiben.

In zahlreichen deutschen Bistümern von Augsburg bis Görlitz und von Fulda bis Trier sind während der Zeit des Glaubensfestes in Sydney (10. bis 20. Juli) Begegnungen und Bibelarbeit, Messfeiern und Musik in Jugendhäusern, Pfarrheimen oder Zeltstädten geplant.

Ein Schwerpunkt der katholischen Aktivitäten liegt eindeutig im Erzbistum Köln, wo allein zu einem fünftägigen Zeltlager im idyllischen Pilgerort Altenberg im Bergischen Land mindestens 300 „Dauercamper” erwartet werden.

Die besondere rheinische Regsamkeit sei leicht zu begründen, meinte der Kölner Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Christian Linker: Als Gastgeber des Weltjugendtages 2005 mit rund einer Million Teilnehmern empfinde sich Köln immer noch als „Epizentrum” dieser katholischen Jugendbewegung.

Schon jetzt mit Spannung erwarteter Höhepunkt des von den deutschen Diözesen, vom BDKJ und der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (ajf) der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Programms: Die an vielen Orten zwischen Bamberg oder Essen, Oldenburg oder Regensburg geplante Live-Übertragung des Jugendtag-Abschlussgottesdienstes mit Papst Benedikt XVI. Um dem 16.600 Kilometer entfernten „Benedetto” zuzujubeln, müssen sich die jungen Katholiken allerdings schon um 2.00 Uhr im Morgengrauen aus Betten und Schlafsäcken pellen.

Derzeit noch heiß debattiert wird die Frage, ob ein Papstsegen per Fernsehen überhaupt „wirksam” sei. Hier zeige sich „die Alltagstauglichkeit des Glaubens”, heißt es listig in der nationalen Leitungsetage der katholischen Jugendarbeit: „Wir haben da volles Vertrauen in den Heiligen Geist, dass das gültig ist.”

Vergleichsweise bescheiden plant das Dekanat Bingen, wo neben „Workshops zu Themen rund um den Heiligen Geist” lediglich der „Telefonkontakt” nach Down Under geplant ist. Betont dezentral organisiert das Bistum Augsburg, wo Jugendwallfahrten oder Begegnungsfeste in den einzelnen Diözesanregionen von Altbayern bis Weilheim vorgesehen sind.

Keinen Hehl machen die Verantwortlichen daraus, dass viele Planungen - etwa in den Bistümern Münster und Paderborn - mangels Interesse „kleiner gefahren” und von der weiten Wiese ins Pfarrheim verlegt wurden. Jugendarbeit lebe nun mal vielfach mit „Testballons”, um die wirkliche Nachfrage zu erkunden, erläutert Kölns BDKJ- Vorsitzender Linker.

Selbstbewusst sieht BDKJ-Mann Linker auch einen klaren „Heimvorteil” für die, die nicht zum Katholikentreffen nach Australien gefahren sind. Sie hätten nun die Chance, im vertrauteren Kreis - wie etwa im WJT-Camp rund um den Altenberger Dom - über Sexualität, Politik und Glaubensinhalte zu diskutieren oder gemeinsam beten zu können. Als „Kontrapunkt” zu den umtriebigen Massenveranstaltungen in Sydney ließen sich hier „Dimensionen betonen, die beim richtigen Weltjugendtag zu kurz kommen.”