Alsdorf: Alsdorfer Mai-Klassik-Festival ist wieder ein Erfolg

Alsdorf : Alsdorfer Mai-Klassik-Festival ist wieder ein Erfolg

„Drei Tage im Mai“ — das sind seit nunmehr acht Jahren immer hohe Feste der Kammermusik im Fördermaschinenhaus des Energeticons in Alsdorf. Schon vorher hatte es unter der Ägide des Bergbaumuseums Anna mit Konzerten junger Musiker in alten Gemäuern begonnen.

Einen Schub hat die Konzertreihe dann bekommen, als vor acht Jahren Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter und Professor Hans-Christian Schweiker von der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, das vom Publikum stark frequentierte Format der Mai-Klassik aus der Taufe hoben.

Der Premienabend — Hans-Christian Schweiker führte wie an allen Tagen humorvoll und profund durch das Programm — hielt diesmal einige Juwelen der romantischen und modernen Kammermusik bereit. Franz Danzis reizvolles Konzertstück Nr. 2 in g-moll für Klarinette und Streicher mit einem Zitat aus Mozarts „Zauberflöte“ im Larghetto wurde beschwingt dargeboten. Dem genial-virtuosen Klarinettisten Martin Spangenberg assistierten kongenial Sophia Jaffé (1. Violine), Mirjam Tschopp (2. Violine), Roland Glassl (Viola) und Hans-Christian Schweiker (Cello). Es folgte ein jugendlicher Geniestreich des erst 14-jährigen Franz Schubert: das warme und dunkel timbrierte Streichquartett Nr. 10 in Es-Dur.

Nachdem Programmgestalter Schweiker schon vor zwei Jahren die Komponistin Rebecca Clarke zu Recht der Vergessenheit entrissen hatte, rehabilitierten sie jetzt Roland Glassl und Hyun Jung Kim-Schweiker mit der Sonate für Viola und Klavier erneut. Da waren perlend Debussy und Gershwin herauszuhören — das alles aber in einem für Rebecca Clarke charakteristischen musikalischen Gewand.

Zwischen seinem Vorbild Johannes Brahms und seinem Schüler Arnold Schönberg oszilliert das Kammermusikwerk von Alexander von Zemlinsky. Das von Martin Spangenberg (Klarinette), Hans-Christian Schweiker (Cello) und Hyun Jung Kim-Schweiker (Piano) mit viel Verve dargebotene Trio d-moll war hörbar mehr der ausklingenden Romantik als der beginnenden Moderne zugeneigt.

Beethoven, Brahms und Reger: Diesen klassisch-romantischen Dreiklang hielt der zweite Abend bereit. Besonders zu Herzen ging die Interpretation der Violinsonate Nr. 1 G-Dur von Johannes Brahms durch Sophia Jaffé (Violine) und Hyun Jung Kim-Schweiker (Piano). Das Stück hat zudem einen besonderen Hintergrund: Clara Schumann liebte das Stück so sehr, dass sie seine Aufführung zu ihrer Beerdigung wünschte.

Die Sonntagsmatinee zum Abschluss des dreitägigen Festivals hielt neben zwei Perlen der Kammermusik — den zauberhaften Märchenerzählungen von Robert Schumann und dem Klavierquintett des „Böhmischen Brahms“, sprich Antonin Dvorak — eine Überraschung bereit. Die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker sind bekannt, doch an diesem Morgen wurden die „Acht Cellisten/innen des Alsdorfer Mai-Klassik-Festivals“ geboren. Zu Ehren des bald scheidenden und Jazz-begeisterten Energeticon-Geschäftsführers Harald Richter intonierten sie mit pointierter Rhythmik und feinem Klang die Bachianas Brasileiras Nummer 1 von Heitor Villa-Lobos. „Sie“, das waren: Hans-Christian Schweiker, Leon Hillebrands, Spraya Ansari, Yoojung Won, Elif Bugu Unlusoy, Magdalena Wolf, Adya Khanna-Fontenla und Cosima Streich.

Harald Richter geht, doch der musikalische Leiter Hans-Christian Schweiker bleibt. Mit einem Augenzwinkern kündigte er an, dass seine Planungen für die Mai-klassik 2019 — dann vom 10. bis zum 12. des Wonnemonats — schon begonnen haben.

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