Aachen: Als „nervöse Deutsche“ prägten diese Aachener den Untergrund

Aachen : Als „nervöse Deutsche“ prägten diese Aachener den Untergrund

Die westlichste Großstadt Deutschlands ist nicht unbedingt für nachhaltige Bands der New-Wave- und Punkrock-Szene Anfang der 1980er Jahre in Erinnerung geblieben. Ein Aachener Export allerdings wirkt nach, und sei es heute vor allem deshalb, weil ihre Protagonisten auf verschiedenen Feldern des Musikgeschäfts Spuren hinterlassen haben — und bis heute lassen: Nervous Germans.

1979 von Micki Meuser und dem Australier Grant Stevens gegründet, sorgten sie eine Handvoll Jahre für laute Signale aus dem Grenzland. 1984 folgte die Trennung nach drei Alben, Tourneen durch Europa und einer Session beim legendären britischen Radio-DJ John Peel. Schon lange leben Stevens und Meuser in Berlin, als die „Nervösen Deutschen“ sind sie allerdings mittlerweile wieder unterwegs — und gastieren am 2. Februar (20 Uhr, Franz, Franzstraße 74) in der Stadt, in der sie einst ihre Band formierten.

Von Aachen aus tauchten sie seinerzeit tief in den europäischen Musik-Underground, um mit der Zeit beachtliche Aufmerksamkeit zu generieren: Meuser, schon damals und bis heute gefragter Musikproduzent, und Stevens, der nach der Zwischenstation London in Aachen gestrandet war. Das Duo scharte in der Folge einiges vom Besten um sich, was in der Aachener Szene an Instrumentalisten greifbar war.

Zur Gründungsbesetzung gehörte etwa auch Manni Holländer, 2011 verstorbenes musikalisches Multitalent. Für die Aufnahmen des ersten Albums „Nervösen Deutschen“ saß 1981 Udo Dahmen am Schlagzeug, der auch mit Nina Hagen, Eberhard Schoener und Gianna Nannini spielte und heute Leiter der Popakademie Baden-Württemberg ist.

Die Platten der Nervous Germans erschienen auch in England und den USA, für eine deutsche Band unterhalb von Nenas Mega-Erfolgsgeschichte nicht gerade selbstverständlich. Neben den Tourneen durch halb Europa zählt besagte Einladung von Radio-Legende John Peel zu den Leuchttürmen der Band-Geschichte, die nach einem Konzert mit US-Rocker Mitch Ryder im ländlichen Linnich 1984 abrupt endete.

Meuser und Stevens blieben seitdem als Produzenten, Texter, Komponisten der Musikbranche erhalten, letzterer schrieb etwa Material für die Erfolgsband Unheilig. Die eigene Bühnenpräsenz trat in den Hintergrund. Das änderte sich 2012. Gary Schmalzl, sonst Gitarrist in der Solo-Band von Ärzte-Schlagzeuger Bela B., brachte das Ur-Duo Meuser und Stevens auf die Idee einer Reunion und stieg gleich selbst ein.

Schlagzeugerin Sabine Ahlbrecht brachte er gleich mit. Mit Verstärkung aus ihrer gar nicht mehr neuen Heimat kehren Meuser und Stevens jetzt auch nach Aachen zurück, neues Song-Material inklusive. Im Franz präsentieren sie ein Unplugged-Programm. Punk und Wave ohne Verstärkerdruck? Das geht, sagt Stevens: „Die Dynamik bei Akustikshows ist ganz anders und macht genau so viel Spaß“.

Mit dabei sind auch zwei Gäste, die ansonsten nicht unbedingt zu Punkrock-Klängen auftreten. „Manfred Leuchter ist ein Freund und Wegbegleiter seit den frühen 80er Jahren. Jupp Ebert ist ein toller Sänger, wir werden ein schönes Duett aus unserer gemeinsamen Zeit bei Rain City Rollers bringen“, sagt Stevens. „Hauptsächlich spielen wir Nervous-Germans-Songs von jetzt und damals und auch ein paar Coverversionen“.

Die Rückkehr ins Dreiländereck sorgt im Vorfeld für gute Gedanken. „Wir freuen uns tierisch, in Aachen zu spielen“, sagt Stevens. „Es ist Mickis Heimat, und auch in meinem Herzen hat die Stadt einen ganz großen Platz.“ Und damit auch die Szene von früher. „Viele gute Freunde werden im Franz dabei sein. So ein Wiedersehen tut immer gut.“

(alba)
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