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Köln: Alfred Neven DuMont: Streitbarer Verleger mit Journalismus im Blut

Köln : Alfred Neven DuMont: Streitbarer Verleger mit Journalismus im Blut

Er ist eine der letzten Verleger-Persönlichkeiten aus der Gründerzeit der Bundesrepublik und er hat Journalismus im Blut: Alfred Neven DuMont, Miteigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) wird am Donnerstag 80 Jahre alt.

In mehr als einem halben Jahrhundert hat er viele Schlachten geschlagen. Mit dem Boulevardblatt „Express” bietet er seit 1964 der „Bild” -Zeitung im Rheinland Paroli. 1974 setzte er sich gegen das Presserechtsrahmengesetz zur Wehr, das die Verleger nach ihrer Überzeugung in ihren eigenen Häusern entmachtet hätte.

Im „Zeitungskrieg” vor sieben Jahren blieb das Gratisblatt eines norwegischen Verlages auf der Strecke, der auf dem Kölner Markt Fuß fassen wollte. Die „Frankfurter Rundschau” will Neven DuMont auf das handliche Tabloid-Format umstellen und damit auf Erfolgskurs bringen.

Und gegen die Unterstellung, seine Eltern hätten von Arisierungen der Nazis profitiert, wehrte er sich erfolgreich vor Gericht. Dabei sucht Neven DuMont nach eigener Aussage den Streit nicht - geht ihm aber auch nicht aus dem Weg: „Ich sage meine Meinung. Wenn das zu Auseinandersetzungen führt, ist das nicht mein Ziel, aber mit Harmonie ist noch gar nichts gewonnen.”

Alfred Neven DuMont wurde 1927 in Köln geboren, als Spross einer Verlegerdynastie, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Er studierte in München Philosophie, Geschichte und Literatur, trat als Schauspieler auf, volontierte bei Springer und der „Süddeutschen Zeitung”, und lernte in Chicago den US-Medienmarkt kennen. „Ich bin zum Verlegerhandwerk über den Journalismus gekommen. Das ist aus meinem Blut nicht mehr rauszuholen”, sagt er.

1953 trat er in den Verlag seines Vaters ein und übernahm rasch die publizistische Verantwortung. Der „Express”, den er dem „Kölner Stadt-Anzeiger” an die Seite stellte, war sein erster Coup. 1999 kam die „Kölnische Rundschau” zu MDS - das Konkurrenzblatt blieb aber redaktionell unabhängig.

Kritiker warfen ihm vor, er errichte in Köln ein Zeitungsmonopol. Neven DuMont hielt dem entgegen, publizistische Vielfalt sei auf wirtschaftlichen Erfolg angewiesen. Wer Anzeigengeschäft und Vertrieb zusammenlege, gefährde daher nicht die journalistische Qualität der Einzeltitel, sondern stärke sie sogar.

Im Rheinland ist MDS mit „Kölner Stadt-Anzeiger”, „Kölnischer Rundschau” und „Express” vertreten, in Ostdeutschland mit der „Mitteldeutschen Zeitung”. Im vergangenen Jahr kam die „Frankfurter Rundschau” hinzu, die bald zum Tabloid wird. Alle zusammen erreichen eine verkaufte Auflage von etwa einer Million. Außerdem engagierte sich Neven DuMont bei der israelischen Zeitungsgruppe „Haaretz”.

Neven DuMont ist verheiratet. Sein Sohn Markus, das älteste von drei Kindern, starb 1995. Der jüngere Sohn Konstantin Neven DuMont (37) gehört wie sein Cousin Christian DuMont Schütte (50) zur MDS-Geschäftsführung. „Ich bin zuversichtlich, dass sie das Unternehmen in unserem Geiste weiterführen”, sagt Alfred Neven DuMont.

Journalismus und Verlegertum hätten sich in den vergangenen 50 Jahren stark gewandelt, meint er. Die Journalisten sähen sich inzwischen viel stärker dem Leser verpflichtet. Und der Verleger müsse als Manager agieren: „Früher waren Verlegerentscheidungen einsame Beschlüsse, heute fällt man sie im Team.”

Die Öffentlichkeit nimmt ihn vor allem wahr, wenn der streitbare Verleger seine Meinung sagt. „Wenn ich mich einschalte, dann sind es nicht immer weltpolitische Fragen, sondern mich interessiert auch, was vor meiner Haustüre passiert.” Als zum Beispiel ein indischer Regisseur ein Bollywood-Musical in einer Kölner Kirche drehen durfte, schrieb Neven DuMont dem Pfarrer einen geharnischten Brief über die Würde geweihter Orte. Dass er mit solchen Aktionen mehr bewirkt, als ein normaler Bürger es könnte, ist ihm bewusst. „Ich gebe zu, dass die Leute zuhören, wenn ich in Köln etwas sage. Aber wie es dazu gekommen ist, das weiß ich selbst nicht genau.”

Neven DuMont nutzt die Medienmacht seines Hauses, um zahlreiche karitative Projekte zu fördern. Hier ist es besonders seine Frau Hedwig, die sich unter anderem mit ihrem Engagement für Roma-Familien und junge Mütter einen Namen gemacht hat. Wie sehr der Jubilar zu allererst auch Kölner ist, konnte er vor Jahrzehnten beim Karneval als Prinz des Dreigestirns zeigen.