Satirische Musikrevue „Let’s Stop Brexit“: Aktuell und mit britischem Humor

Satirische Musikrevue „Let’s Stop Brexit“: Aktuell und mit britischem Humor

Die Zeiten sind nie so ernst, als dass sie nicht mit Humor kommentiert werden könnten, so lautet jedenfalls das Lebensprinzip skurriler Insulaner namens Briten. Seit Monaten wird in London, teils auch in Brüssel, das tragikomische Stück „Brexit“ aufgeführt, bei dem trotz aller absurden Akte insgesamt die Tragik überwiegt.

Der realen Politbühne hat Ulrich Proschka, Autor und Regisseur, jetzt die satirische Musikrevue „Let’s Stop Brexit! – Keep Calm and Drink Tea“ gegenübergestellt.

Bei der ausverkauften Uraufführung im Theater Mönchengladbach gab es lang anhaltenden Applaus. Proschka hat sich nach britischem Humor-Vorbild, einer Mischung aus feiner Satire und drastischer Burleske, eine Geschichte um den Brexit, den es in letzter Minute doch noch zu verhindern gilt, ausgedacht. Zwei Abgeordnete des Unterhauses, Henry Crowfield – sein Name spielt auf Krefeld an – und Matthew Plainbrooke – sein Name steht für Mönchengladbach – planen eine Palast-, Verzeihung, eine Parlamentsrevolution. Sie wollen den Brexit verhindern, jedoch nicht aus hehren staatsmännischen Motiven.

Geld und Sex sind ihr Antrieb, denn Plainbrooke (Matthias Wippich) hat einmal mehr seiner Neigung zum Zocken nachgegeben und bei seinem Buchmacher auf ein Nichtzustandekommen des Brexits gewettet, während Crowfield (Markus Heinrich) sich als Held präsentieren und Theresa Mays Assistentin Mabel Stanley (Gabriela Kuhn) gewinnen will. Wegen seiner trefflich gespielten puritanischen Verklemmtheit hat es der MP während seiner vierjährigen Eroberungsphase nicht weiter als zu zwei gemeinsamen Spaziergängen gebracht.

In dem Pub „The Hot Plot“ treffen die beiden Revoluzzer auf die Bedienung Ms. Cripps, die der Premierministerin Theresa May dank der Hilfe von Kosmetik, Friseur und Outfit zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Doppelrolle übernimmt mit Bravour und leicht britischem Akzent Debra Hays. Der Plan, die echte Premierministerin auszuschalten und dafür das Double mit einer emotionalen Rede im Parlament die Abkehr vom Brexit verkünden zu lassen, gedeiht. Am Ende gelingt er mit royaler Hilfe, denn Queen Elizabeth II. erscheint und winkt huldvoll die Ablehnung durch.

Musikalisch hat sich Ulrich Proschka auf die Kompositionen von Sir Arthur Seymour Sullivan gestützt. Das Orchester spielt exzellent, allerdings hat es die Musik schwer, eine Beziehung zur heutigen Zeit und dem aktuellen Thema aufzunehmen. Vielmehr funktioniert sie als launige Hintergrundmusik. Gesanglich ist das Quartett nicht nur bestens bei Stimme, es interagiert zudem vortrefflich und kann trotz großer Spielfreude mit exaktem Timing punkten.

Weitere Aufführungen in Mönchengladbach: 28. April, 5. Mai und 2. Juni.

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