1. Kultur

Köln: „African Footprint”: Faszinierende Spurensuche aus Südafrika

Köln : „African Footprint”: Faszinierende Spurensuche aus Südafrika

Es ist das größte afrikanische Musicalereignis aller Zeiten. Es geht um Krieg, um Frieden, um Verständnis und um Lebensfreude.

Es war schon auf der halben Welt zu Gast, kommt nun nach Deutschland und gilt als Nachfolger von Stücken wie „Riverdance”.

Am 17. Juli ist die Premiere in Köln. Doch bis der Opa von Tänzer Zakhele Nkosi sich endlich mal seinen Enkel im „Globe Theatre” zu Johannesburg angeschaut hat, vergingen fast zwei Jahre.

Der Großvater von Zakhele Nkosi war geschockt. Hatte er den Jungen, dessen Vater früh starb und dessen Mutter vor lauter Geldverdienen in schlecht bezahlten Jobs kaum Zeit für ihn hatte, doch nicht erzogen, damit der jetzt hier auftritt.

„Es hat lange gedauert, Opa zu erklären, was ich hier eigentlich mache”, sagt Zakhele. Er erklärt, wie das so ist mit „African Footprint” - dem Stück, dem Tanzen und überhaupt. Nämlich gar nicht so einfach.

„Für einen schwarzen Jugendlichen sind es gleich mehrere Tabubrüche. Wo ich herkomme, heißt es: Schwarze tanzen nicht. Und es heißt: Männer tanzen erst recht nicht.”

Die Folge: „Als ein Freund von mir mich damals zu den Auditions für eine Tanzproduktion mitschleppte, war ich anfangs selber etwas skeptisch.”

„Damals” war vor gut fünf Jahren. Das Ende der Apartheid war frisch, man begann, sich auch künstlerisch mit den immer noch nur langsam heilenden Wunden einer zerrissenen Nation zu beschäftigen.

Und Richard Loring hatte die Idee seines Lebens. Der britische Produzent und Regisseur, seit den 60ern im Land, entwickelte eine adrenalinintensive Tanz-, Step-, und Gesangsshow über die Geschichte des Landes mit unterschiedlichsten Elementen und Stilen, aber immer aufwühlend, faszinierend und positiv - und suchte nun Darsteller.

Vor allem in Soweto, dem bekanntesten und größten Township Südafrikas, der Heimat von Bischof Tutu, Präsident Mandela und auch von Nkosi, wurde er fündig.

„Ich war einer der schnellsten Jugendsprinter Südafrikas, habe dann Kung Fu gemacht und Fußball gespielt. Vom Tanzen hatte ich keine Ahnung, ich habe mich nur halt immer gerne bewegt.”

Zakheles „unterdrücktes Talent”, wie er es nennt, war nach dem Vortanzen nicht länger zu verheimlichen, seit der Premiere im Mai 2000 tanzt er unterschiedliche Parts in „African Footprint” - es gibt in den 90 Minuten keine wirklichen Stars, die Darsteller rotieren im Laufe ihrer Anstellung durch die Rollen.

Nun kommt er mit rund 30 weiteren Tänzern und Sängern nach Deutschland. „Man muss nicht in Südafrika leben, um den Inhalt der Show zu verstehen”, glaubt er.

Und wird wohl Recht haben. Immerhin hinterließen die Footprinter selbst in China eine Riesenpackung Hysterie. „Ständig lief eine Horde von Chinesen hinter mir her.Die hatten einfach noch nie einen schwarzen Mann gesehen und waren sehr fasziniert.”

Auch in England, den USA, Israel, Indien und Australien ging „African Footprint” schon zur allgemeinen Begeisterung über die Bühne. Selbst Großvater Nkosi hat sich mit der Sache einigermaßen arrangiert.

„Bis Opa und der Rest meiner Familie zum ersten Mal ins Theater kamen, hat es eine Weile gedauert. Sie versuchten meinen Beruf zu ignorieren. Aber als zum ersten Mal ein Bild von mir in der Tageszeitung war, sind sie doch neugierig geworden und heimlich im Globe Theatre gucken gekommen.” Familie Nkosi dürfte ihren Besuch nicht bereut haben.