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Düsseldorf/Köln: Abzocke von Trauernden: Spur führt zu Kölner Briefkastenfirma

Düsseldorf/Köln : Abzocke von Trauernden: Spur führt zu Kölner Briefkastenfirma

Mit einer dreisten Masche versucht ein angebliches Genlabor bundesweit Geld von Trauernden abzugreifen. Wie die Polizei in Köln am Donnerstag berichtete, handelt es sich bei der „Dr. Engelhardt genetic research” um eine „Briefkastenfirma”.

Statt auf eine Praxis stießen die Ermittler am angegebenen Firmensitz auf einen Bürodienstleister, der mit der Abzocke aber nichts zu tun habe. Der noch unbekannte Betrüger richtet bundesweit Mahnbriefe an gerade gestorbene Menschen und droht bei Nicht-Zahlung für einen angeblichen DNA-Test mit gerichtlichen Schritten. Namen und Adressen verschaffe er sich vermutlich aus Traueranzeigen, sagte ein Polizeisprecher.

Iwona Gromek von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf geht davon aus, dass hunderte dieser Briefe am vergangenen Montag aufgegeben worden sind. Seit Dienstagmorgen habe es zu diesem Thema ungewöhnlich viele Anfragen gegeben. Die Polizei fand zudem heraus, dass der Betrüger einen manipulierten Ausweis dazu benutzt hat, um bei einer Bank in Essen ein Konto zu eröffnen. Informationen darüber, dass bereits eine Sammelklage gegen den Unbekannten laufe, wurden zunächst nicht bestätigt.

Betroffene aus weiten Teilen Nordrhein-Westfalens, dem Saarland, Baden-Württemberg und Niedersachsen hatten bereits Anzeige erstattet. Die Betrugsmasche, in der der Absender mehrere hundert Euro fordert, hat auch im Internet schon Wellen geschlagen. In einem Internet-Forum schildert ein Betroffener, dass seine Familie 340 Euro zahlen soll: „Eine echt fiese Masche.” Ein weiterer Betroffener stellte fest, „dass bereits vor dem Öffnen im Adressfenster der fettgedruckte Hinweis "2. Mahnung" für jedermann von außen lesbar” sei. Die Schreiben landen meist nur wenige Wochen nach dem Tod eines Angehörigen in dessen Briefkasten.

Augenscheinlich handelt es sich bei den Briefen um eine „zweite Mahnung”. Die Angeschriebenen sollen die Forderung „innerhalb von zehn Tagen” auf ein Konto in Essen überweisen. „Ansonsten sehen wir uns leider gezwungen, das gerichtliche Mahnverfahren einzuleiten”, heißt es in dem Briefen. Zwar enthalten die Schreiben Angaben zur Erreichbarkeit des angeblichen Labors, doch telefonische Anfragen laufen ins Leere: Nach mehrmaligem Klingeln ist die Leitung besetzt.

Auch auf der Internetseite der „Engelhardt genetic research” bleiben alle Fragen offen. Zwar wirbt das angebliche Labor damit, sich „seit mehr als 10 Jahren mit der DNA-Analytik” zu befassen und „nach den europäischen Normen zur Untersuchung medizinischer Proben zertifiziert” sei. Unter der Rubrik „Service & Produkte” findet sich jedoch nur der Hinweis, dass die Seite „zur Zeit überarbeitet” wird. „Auf der Internetseite deutet vieles darauf hin, dass dieses Unternehmen nicht existiert”, sagte Gromek.

Polizei und Verbraucherschützer warnen davor, die Rechnungen zu bezahlen. Betroffene sollen sich von dem offiziell aussehenden Schreiben nicht einschüchtern lassen und Anzeige erstatten. „Eine besonders perfide Abzocke, bei der auf die Trauerkarte gesetzt wird”, warnt die Verbraucherzentrale.