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Aachen: Abschlusskonzert der 34. Aachener Bachtage vom Pech verfolgt

Aachen : Abschlusskonzert der 34. Aachener Bachtage vom Pech verfolgt

Wahrscheinlich war das nasskalte Aachener Dezemberwetter daran schuld, dass sich Sopranistin Cornelia Samuelis ausgerechnet in der anderthalb Stunden langen Pause zwischen dem dritten und vierten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach einen Infekt holte.

Gerade in der schönen Echo-Arie, zentrales Element des vierten Teils, in dem Samuelis sang und die Sopran-Solistin des Chores, Constanze Meijer antwortete, musste die Sängerin kurz vor Schluss überstürzt von der Bühne in St. Michael eilen. Sie kam erst zum Rezitativ am Ende des sechsten Teils noch einmal kurz zurück.

In der Zwischenzeit fiel ihr Part entweder aus oder wurde durch den wunderbaren, begeisternden Tenor Andreas Post ersetzt, der souverän die Sopranstimme - um Oktaven transponiert - meisterte. Man hätte Kirchenmusikdirektor Wolfgang Karius am Sonntag wirklich einen glücklicheren Schlusspunkt der 34. Aachener Bachtage gewünscht.

Doch das ist einfach Pech und ändert nichts an dem überaus positiven Gesamteindruck, den die Aufführung des Bachvereins mit dem Hamburger Barockorchester hinterließ. Schwungvoll und harmonisch wurde die Bachsche Version der Weihnachtsgeschichte den rund 500 Zuhörern in der vollbesetzten Kirche nahegebracht.

Historische Instrumente kamen zum Einsatz: scheinbar zu groß geratene Querflöten, Oboen aus hellem Holz und Bläser ohne Ventile. Obwohl man diese Historizität nicht überbewerten sollte: Bach hat das Weihnachtsoratorium ursprünglich für einen Thomanerchor, also für neun- bis 18-jährige Knaben am Leipziger Thomasalumnat, geschrieben - auch die Solopartien. Außerdem war jeder der sechs Teile für einen anderen Feiertag bestimmt: vom ersten Weihnachtsfeiertag bis zum Epiphaniasfest am 6. Januar.

Doch Knabenchöre sind nicht jedermanns Sache, und eine sechsmalige Anreise des Barockensembles hätte die Eintrittskarten wohl unbezahlbar gemacht. Üblich ist heute auch nicht mehr, dass das Publikum bei den Chorälen mitsingt, wie das über die Aufführungspraxis im 18. Jahrhundert vermutet wird. Von dem Streit über das historisch richtige Tempo einmal ganz zu schweigen.

Begeistert zeigte sich auch das Publikum: Stehend applaudierte es minutenlang. Für Wolfgang Karius waren es die letzten Bachtage unter seiner Regie: Er tritt am 30. Juni in den Ruhestand. Ein Nachfolger wurde gefunden. Er heißt Georg Hage, ist 28 Jahre alt und ist zurzeit noch Kantor und Organist in Kirchzarten im Schwarzwald. Die Bachtage werden unter seiner Leitung fortgeführt.