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Saarbrücken: Abrechnung mit „Auslaufmodellen”

Saarbrücken : Abrechnung mit „Auslaufmodellen”

„Mucksmäuschenstill”, wie der diesjährige Preisträger heißt, ist es um das wichtigste Festival des deutschsprachigen Films nie gewesen.

Immer wieder brandet hier die Diskussion um die Qualität des jungen deutschen Films auf, der im direkten Vergleich mit den Produktionen aus Österreich und der Schweiz fast immer den kürzeren zog.

Auch diesmal war der absolute Publikumsliebling ein Schweizer: Peter Luisis intelligent-verspielte Satire auf das Filmemachen „Verflixt verliebt” hat durchaus das Zeug, zum Kultfilm zu werden. Und Manuel Flurin Hendrys „Strähl” erzählt in hautnah eingefangenen Bildern von einem Züricher „Schimanski”, dessen Tablettensucht der Drogensucht seiner Klientel in nichts nachsteht.

Quälend lange Einstellungen

Diametral entgegengesetzt zu der Wucht dieser Bilder sind die manchmal quälend langen Einstellungen in „Struggle” der österreichischen Filmemacherin Ruth Mader, die gerade in ihrer Spröde die Seelenlandschaft und Isolation einer illegal arbeitenden polnischen Erntehelferin reflektieren.

Dass auch hierzulande Auseinandersetzungen mit der politischen Realität zu spannenden Filmen führen kann, beweist das Spielfilmdebüt von Till Endemann, dessen kraftvoll gefilmtem, großartig gespieltem und emotional anrührendem Porträt einer russlanddeutschen Umsiedlerfamilie man nie die niedrigen Produktionskosten von 50.000 Euro ansieht.

Hölzenrne Dialoge

Dafür fragt man sich, wo die über eine Million Euro geblieben sind, die Nadya Derado in ihr Debüt „Yugotrip” gesteckt hat. Die Geschichte von den Albträumen eines bosnischen Kriegsflüchtlings kippt durch ihre psychologische Ungenauigkeit und hölzernen Dialoge um und macht den Täter fast zum bemitleidenswerten Opfer.

Dazwischengeschoben hat sich Marcus Mittermeiers bitterböse Abrechnung „Muckmäuschenstill” mit all den „Auslaufmodellen” dieser Republik von Dieter Bohlen über Stefan Raab bis hin zu Roland Koch”, dessen selbsternannter Ordnungshüter dermaßen radikal die Welt verbessert, dass einem das Lachen zwar im Halse stecken bleibt, aber die grauen Zellen wie selten im deutschen Kino der letzten Jahre aktiviert werden.