Aachen: Abgesänge auf die verblühende Romantik begeistern das Publikum

Aachen: Abgesänge auf die verblühende Romantik begeistern das Publikum

Drei Abgesänge auf die verblühende Romantik bildeten einen klug zusammengestellten Block zum Auftakt des 1. Städtischen Kammerkonzerts im ausverkauften Spiegelfoyer des Theaters Aachen.

Richard Strauss‘ Streichsextett aus seiner späten Oper „Capriccio“, ein verzweifelt-resigniertes Aufbäumen gegen den Verfall der abendländischen Kultur inmitten des 2. Weltkriegs, ergänzte sich vortrefflich mit Liedern von Alma Mahler und deren Lehrer Alexander Zemlinsky aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts.

Ob die Lieder der 20-jährigen Kompositionsschülerin Alma Mahler geeignet sind, ihren Rang als Komponistin verlässlich einschätzen zu können, bleibt fraglich. Zemlinskys Vertonung des Dehmel-Gedichts „Maiblumen blühten überall“ für Sopran und Streichsextett hinterlässt einen erheblich raffinierteren und reiferen Eindruck. Allerdings dürfte Irina Popova mit ihrer großen, in den Höhen harten und nicht sehr flexiblen Stimme nicht unbedingt als ideale Interpretin der Gesänge gelten. Galina Gryzhikova zeigte da am Klavier mehr Differenzierungsvermögen.

Sie gab auch dem selten gespielten Capriccio für sieben Bläser und Klavier für die linke Hand von Leoš Janáek wesentliche Impulse. Ein skurriles Werk, das durch drei Posaunen, zwei Trompeten und eine Sopran-Tuba ein recht schwerfälliges Klangbild erhält, das den kammermusikalischen Rahmen zu sprengen droht, gleichwohl von den Aachener Sinfonikern mit gebotener Schroffheit und unterschwelliger Ironie bedacht wurde.

Seltenes Oboen-Quartett

Den einzigen Kontrapunkt zu den Beiträgen aus dem 20. Jahrhundert setzte man mit Mozarts auch nicht häufig anzutreffendem Oboen-Quartett, dem Stéphane Egeling durch die Verwendung einer französischen Oboe aus dem späten 18. Jahrhundert einen besonderen Reiz verlieh. Die Spiellaune des vorzüglichen Oboisten übertrug sich rasch auf seine streichenden Kollegen.

Zum ersten Mal gab es einleitende Worte zu den einzelnen Werken, die freilich kaum über das hinausgingen, was auf dem Programmzettel zu lesen ist und die das Konzert arg in die Länge zogen. Eine Einführung vor dem Konzert wäre gewiss sinnvoller.

Das 1. Kammerkonzert wird am Montagabend um 20 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters wiederholt. Karten in allen Servicestellen Ihrer Tageszeitung.