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Köln: Abba-Mania als perfekte Illusion

Köln : Abba-Mania als perfekte Illusion

Auf den ersten Blick ist die Illusion perfekt: Agnetha Fältskog (24), im hautengen, azurblauen Satin-Anzug mit bunten Pailletten und dunkelblauem Häkelmützchen, Anni-Frid Lyngstad (28) mit weißem Satin-Oberteil und mexikanisch anmutendem, weit schwingendem roten Rock, Benny Andersson (27) am weißen Yamaha-Flügel mit galaktisch-silbernen Plateaustiefeln und Björn Ulvaeus (28) mit ponylastiger Vokuhila-Frisur und sternförmiger Gitarre zelebrieren die Niederlage, die für das schwedische Quartett 1974 zum Sieg wurde: „Waterloo”.

Erst der zweite, intensivere, Blick auf die Bühne der ausverkauften Kölnarena offenbart, dass „Abba” nicht wirklich „Abba” sind: Agnetha ist im Verhältnis zu Anni-Frid zu klein, Anni-Fried trug 1974 noch keine langen. glatten, roten Haare, sondern eine kurze, blond gesträhnte Lockenfrisur, Benny sah in Wirklichkeit viel hausbackener aus und Björn musste mit Sicherheit auf keine Perücke zurück greifen.

Natürlich fallen solche Details nur Insidern auf. Jenen Verrückten, die den Werdegang des prominentesten schwedischen Exportartikels nach Volvo und Ikea mehr als acht Jahre lang minutiös verfolgt haben: Vom 6. April 1974, als „Abba” den Sieg beim „Grand Prix d´Eurovision de la Chanson„ im englischen Brighton davon trugen, bis hin zum letzten gemeinsamen Live-Auftritt in Stockholm am 11. Dezember 1982.

Damals brach für echte Fans eine Welt zusammen. Heute, mehr als 20 Jahre später, ist sie für zweieinhalb Stunden wieder in Ordnung. Wenn Isobel Davies, Mandy Winter, Nigel Hart und Mark Thomas 19 Stücke und drei Zugaben lang in die Rollen von Agnetha, Anni-Frid, Benny und Björn schlüpfen, kann man wunderbar so tun, als ob.

Die Idee von „Abba-Mania”, einer Kult-Show vom Londoner Westend, die 2002 ihre deutsche Premiere feierte, und seitdem in den großen Hallen der Republik mit Welthits einer unvergessenen Supergruppe für Party-Stimmung sorgt, trifft den Nerv der Zeit. Für die einen ist es süße Nostalgie, für die anderen ein 1a-Revival. Die 1970er liegen voll im Trend.

Die erste Hälfte der Show schlägt den Bogen vom „Waterloo”-Urknall bis hin zum 1979er Hit „Voulez-Vous”. Echte Abba”-Kenner genießen die akribisch imitierte Choreografie - bis hin zu solchen Albernheiten wie Kusshändchen werfen, stellen aber auch fest, dass Isobel Davies dem sagenhaften Stimmumfang ihres Vorbilds Agnetha nicht immer gewachsen ist.

Einige Stücke sind tiefer gesetzt, Passagen, die außerordentlich viel Puste brauchen, gnädig verkürzt. Nach der Pause geht es mit Luftballons, Glitzerschlangen und sprühenden Feuerfontänen so richtig ab. Eine Deko wie zu Karneval, ein Geruch wie an Silvester. Es endet mit dem ultimativen Abba-Rührstück „Thank You For The Music”, bei dem dann so manches Tränchen gedrückt wird.