1. Kultur

Niederzier: Ab vier Uhr steht der Bagger still

Niederzier : Ab vier Uhr steht der Bagger still

Donnerstagmorgen, kurz vor vier Uhr bei Morschenich in der Gemeinde Niederzier: 50 Greenpeace-Aktivisten dringen in den Braunkohle-Tagebau Hambach ein und besetzen einen der gigantischen Abraum-Bagger.

Von dessen Spitze, 96 Meter über dem Erdboden, entrollen sie wenig später Transparente: „Coal kills the climate” (Kohle tötet das Klima) oder „RWE verheizt die Erde” steht darauf zu lesen.

Das nächtliche Szenario, das sich zunächst ausnimmt wie der Auftakt zu einem Postraub, ist als Demonstration geplant: „Greenpeace fordert den Tagebau-Betreiber RWE auf, seinen Unternehmenskurs zu ändern und in erneuerbare Energien zu investieren”, echauffiert sich Sven Teske, 37, Energieexperte von Greenpeace aus Hamburg. RWE, sagt er, sei im Begriff, zwei weitere Braunkohlekraftwerke zu bauen „und damit die Klimazerstörung für mindestens weitere vier Jahrzehnte festzuschreiben”. RWE selbst, wird Öffentlichkeits-Referentin Stephanie Schunck später erklären, kann sich dieser Auffassung ganz und gar nicht anschließen.

RWE erstattet Anzeige

Greenpeace hat den Zeitpunkt der Demonstration, die Sven Teske als „Teil einer grundsätzlichen Energie-Debatte” verstanden wissen möchte, ganz bewusst gewählt: Vom 1. bis 4.Juni findet in Bonn die „Renewables 2004” statt, eine Konferenz zu regenerativen Energien. Teske: „Deutschland gedenkt, sich auf dieser Konferenz als Weltmeister erneuerbarer Energien zu präsentieren.” Zu Unrecht, wie Greenpeace meint. Denn anstatt primär erneuerbare Energien zu stärken, würde auch in Deutschland weiter in umweltbelastende Energie investiert, von denen „Braunkohle die brutalste” sei. „Auf diese Weise wird sich der Kohlendioxid-Ausstoß niemals nachhaltig senken lassen”, so Teske.

RWE erstattet beim Eintreffen der Polizei am frühen Morgen Anzeige gegen die Aktivisten wegen Hausfriedensbruch. Ob man zudem entgangenen Gewinn, etwaige Sachbeschädigung und Gehaltszahlungen an das zur Untätigkeit gezwungene Personal geltend machen will, „kann ich im Moment nicht absehen”, erklärt RWE-Betriebsleiter Hans-Joachim Bertrams.

Am frühen Abend richteten sich die Demonstranten auf eine Übernachtung ein - auf dem Bagger.