Aachen: Aachens neuer Generalmusikdirektor heißt Christopher Ward

Aachen : Aachens neuer Generalmusikdirektor heißt Christopher Ward

Der Sitzungskalender der städtischen Gremien in Aachen ist eine nüchterne Sache. „Personalangelegenheiten“ steht schlicht unter Tagesordnungspunkt N11 für den nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am kommenden Mittwoch, 7. März. Das klingt ganz allgemein und unspektakulär.

Tatsächlich aber verbirgt sich hinter diesem Tagesordnungspunkt sehr konkret eine der wichtigsten Personalentscheidungen für den Aachener Kulturbetrieb mit Blick auf die kommenden Jahre: Die Ratsfrauen und -herren stimmen über einen neuen Generalmusikdirektor (GMD) ab.

Nach Informationen unserer Zeitung aus Kreisen der Findungskommission, die mit der GMD-Suche beauftragt war, erhält den Posten der 37-jährige Brite Christopher Ward. Er hat sich augenscheinlich in der letzten Auswahlrunde gegen den US-Amerikaner Ido Arad und den Schweden Per-Otto Johansson durchgesetzt. Die Verhandlungen zwischen der Stadt Aachen und Ward sind inzwischen offenbar abgeschlossen, der Vertrag liegt dem Dirigenten zur Unterzeichnung vor.

Vorstellung soll zeitnah erfolgen

Dass es sich tatsächlich um Ward handelt, will offiziell niemand bestätigen. Kulturdezernentin Susanne Schwier sagt: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir die Suche nach einem Generalmusikdirektor in der Ratssitzung nächste Woche zu einem Abschluss bringen können.“ Und sie kündigt an, dass es zeitnah nach der Entscheidung der Politiker eine offizielle Vorstellung geben wird. Ein Termin dafür stehe zwar noch nicht fest, sei aber bereits in der Abstimmung, erläutert Schwier.

Auch die Wiener Agentur Vienna Music Connection (VMC), die Christopher Ward vertritt, will offiziell nichts zu einem Vertragsabschluss sagen. „Wir können uns derzeit nicht dazu äußern“, sagt Stefan Astner, Artist Manager bei VMC, auf Anfrage. Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen, will sich ebenfalls nicht zu der Personalie äußern.

Der neue Generalmusikdirektor soll sein Amt am 1. August antreten. Ward wird dann Nachfolger von Kazem Abdullah. Der US-Amerikaner hatte das Aachener Sinfonieorchester fünf Jahre lang bis Ende Juli 2017 geleitet. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Derzeit leitet der vorherige 1. Kapellmeister Justus Thorau als kommissarischer GMD das Orchester.

Ward ist der jüngste der drei Kandidaten, die als Finalisten aus einem Auswahlverfahren mit insgesamt 80 Bewerbern hervorgegangen waren. Der Brite wurde in Oxford und Glasgow ausgebildet, bevor er 2005 nach Deutschland kam. Dort war er zunächst am Staatstheater Kassel als Kapellmeister und Solorepetitor tätig. Anschließend assistierte er ein Jahr lang Sir Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern für Richard Wagners „Rheingold“. Von 2009 bis 2013 war er Kapellmeister an der Bayerischen Staatsoper in München und Assistent von Kent Nagano. Seit 2014 ist er 1. Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater.

Im vergangenen Herbst hatten Ward und seine Mitstreiter in Aachen jeweils ein Sinfoniekonzert und eine Oper dirigiert. Ward hatte sich — wie auch Arad und Johansson — gut geschlagen. Die Stärken und Schwächen der Kandidaten hielten sich — mit unterschiedlichen Akzenten — insgesamt so weit im Gleichgewicht, dass für die Entscheidung auch Aspekte der Persönlichkeit in die Waagschale geworfen werden mussten, die sich dem Konzert- und Opernbesucher entziehen.

Entsprechend dürften die Eindrücke ins Gewicht gefallen sein, die die Mitglieder der Findungskommission in Gesprächen mit den Kandidaten und durch Einblicke in die Probenarbeit gewinnen konnten. Zudem dürfte auch das Votum des Orchesters einen großen Einfluss auf die Entscheidung gehabt haben. Unter den Musikern hatte sich Ward nach Informationen unserer Zeitung knapp vor Johansson durchgesetzt.

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