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Aachen: „Aachens gute Stube” feiert Jubiläum

Aachen : „Aachens gute Stube” feiert Jubiläum

Bis Ende der 80er Jahre war das Aachener Couven Museum mit 50.000 Besuchern jährlich das meistbesuchte Museum der Stadt. Trotz umfangreicher Renovierung und einer Neueröffnung 2001 kann das Haus bis heute nicht mehr an den früheren Publikumserfolg anknüpfen.

In „Aachens gute Stube”, wie der 1786 nach dem Entwurf von Jakob Couven errichtete Rokoko-Bau immer noch gerne genannt wird, finden derzeit noch 18.000 Menschen pro Jahr den Weg - und das, obwohl er im Herzen der Stadt, beinahe im Schatten von Dom und Rathaus, steht.

Am Wochenende feiert das Couven Museum nun sein 50-jähriges Jubiläum, und Dagmar Preising, die das Haus seit kurzem leitet, und ihre Mitarbeiterin Gisela Schäffer haben mit einem großen Veranstaltungsreigen und einer Jubiläumsausstellung alles unternommen, um es wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.

Stündlich Führungen

Den ganzen Samstag und den ganzen Sonntag wechseln von 10 bis 18 Uhr die Themenführungen im Stundentakt und beleuchten die verschiedensten Aspekte des Hauptthemas dieses Museums: „Bürgerliche Wohnkultur vom Rokoko zum Biedermeier”.

Das beginnt mit einer allgemeinen Einführung (10 Uhr) und wird fortgesetzt mit dem „Apothekenwesen in Aachen im 18. Jahrhundert” (11 Uhr) und beispielsweise einem Ahnenforschungs-Rundgang „Wer wohnte im Couven Museum?” (15 Uhr).

Um 15.30 Uhr wird der „Puppenschrank” geöffnet, ein ehemaliger Wäscheschrank im Couven-Stil, der die putzige Puppenstube einer adligen Familie aus dem Biedermeier beherbergt.

Überhaupt sind Kinder am Jubiläumswochenende ganz besonders willkommen: Den ganzen Tag über gibt es eine betreute „Kreativwerkstatt” als offenenes Angebot für Kinder - am Samstag zum Thema „Tischlein deck dich - wir kreieren unser eigenes Essgeschirr”, am Sonntag „Jubiläumskacheln - wir bemalen unsere eigenen Fliesen”.

Über das Wochenende hinaus wird zu einer Tagesexkursion nach Lüttich und Namur eingeladen: „Möbelmuseen im Vergleich” (17. Mai, 8-19 Uhr; Anmeldung unter 0241/4324421).

Das Puppentheater Öcher Schängche gratuliert am 18. September im Museum zum Jubiläum, und junge Künstler der Aachener Musikhochschule geben am 4. Juni, 19.30 Uhr, hier ein Konzert, das sich künftig als Tradition im Couven Museum auswachsen soll.

Damit nicht genug: Am 16. Mai beginnt im Abstand von zwei Wochen eine neue Reihe freitäglicher Rundgänge zum Haus und seiner Umgebung, jeweils von 14 bis 15.30 Uhr. Die ersten „Expeditionsziele”: Theresienkirche (Treffpunkt) und Heilig Kreuz.

Und für Schulen existiert ein umfangreiches Sonderprogramm; die Themen reichen von „Puppenstrumpf und Steckenpferd - Kindheit im 18. und 19. Jahrhundert” bis zu „Genüssen aus fernen Ländern, die das Leben verändert haben”. Infos unter 0241/4798020.

Zur Jubiläumsausstellung gehört ein Film, den der WDR 1958 für eine „hier und heute”-Sendung über das Couven Museum gesendet hat. Die eigentliche Geschichte des Museums beginnt indessen bereits im Jahr 1929, als am Seilgraben 34 in einem Patrizierhaus ein „Bürgerhaus-Museum” zur Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts eingerichtet wird.

Fotos im Treppenhaus dokumentieren jetzt die weitere Entwicklung: 1943 fällt dieses „Haus Fey” als Vorgänger des Couven Museums mitsamt dem größten Teil seiner Ausstattung vollständig dem Bombenhagel zum Opfer. Nur die wertvollsten Objekte sind in Bad Wildungen ausgelagert; sie kehren 1948 zurück.

1953 erwirbt die Stadt Aachen eben jenes Haus Monheim am Hühnermarkt, in dem 1958 das Couven Museum eröffnet wird. Dieser Bau wiederum hat auch seine eigene Geschichte. Zum Beispiel stellt hier 1857 ein italienischer Chocolatier in der Apotheke des Leonhard Monheim die erste Tafelschokolade der Welt her.

Die Aachener Kunstblätter von 1986, 4. Auflage, enthalten einen illustrierten Führer durch das Museum, der auf 82 Seiten den pittoresken Charme beweist, mit dem in 26 Räumen die reiche bürgerliche Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts bis dato präsentiert wurde - mit einem liebevoll und lebendig drapierten Ensemble aus Möbeln, Fayencen, Uhren und allerlei Gegenständen des Alltags.

Dann kommt 1990 ein neuer Museumsdirektor (der Aachen mittlerweile wieder verlassen hat) mit einem anderen Konzept - räumt das Couven Museum leer und lässt nur noch einzelne Spitzenstücke stehen. Seither geht es stetig abwärts mit den Besucherzahlen...

Dagmar Preising hat manches Objekt aus dem Depot wieder herausgeholt. Vieles ist restaurierungsbedürftig, etwa die lebensgroßen Kostümpuppen mit ihren Rokoko- und Empire-Kleidern. Gisela Schäffer hofft auf Sponsoren, damit Experten der Fachhochschule Köln die eleganten Damen wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzen.

In der Jubiläumsschau finden sich einzelne Räume um zusätzliche Vitrinen bereichert, etwa mit einem vergoldeten Besteck von 1830, mit Rauchutensilien und Porzellan - gar nicht leicht, das alles so lebendig und buchstäblich „wohnlich” unter einen Hut zu bringen, wie es einmal war...