Aachen: Aachener Orchester spielt zu Chaplins „Goldrausch“

Aachen : Aachener Orchester spielt zu Chaplins „Goldrausch“

Seine Eignung als „Filmorchester“ hat das Aachener Sinfonieorchester schon oft bewiesen. Alljährlich erfreut es mit der Live-Beschallung beliebter Klassiker das Publikum im stets ausverkauften Theater. Die Geniestreiche Charlie Chaplins stehen ganz oben auf der Hitliste.

Und nach sechs Jahren begleitete das Orchester den Tramp erneut auf der tragikomischen Suche nach dem Glück im „Goldrausch“. Ein Kultfilm aus dem Jahr 1925, dessen Musik 1942 ergänzt und bearbeitet wurde, jetzt aber in der rekonstruierten Urfassung genossen werden konnte.

Mathis Groß am Pult des Aachener Orchesters entfaltete einen voluminösen sinfonischen, mitunter rauen und keineswegs süßlichen Klang. Auch nicht in den lyrischen Passagen, wenn das Herz des Tramps für die schöne Georgia zu schlagen beginnt oder immer wieder Enttäuschungen die Musik in wehmütig-sentimentale Bahnen lenken.

Groß und seine Musiker bewältigen die stilistischen Wechselspiele zwischen Groteske und tragischer Größe souverän. Das Timing der Filmschnitte und der vielen Geräuscheffekte gelang perfekt. Zitate von Tschaikowsky, Wagner und Rossini wurden geschickt in den originellen Klangteppich aus Chaplins selbst gestricktem melodischem Reservoir eingebunden.

Über die Genialität des Films erübrigt sich jedes Wort. Dass der Perfektionist Chaplin die Musik zur Chefsache erklärte und keinem noch so gewieften Profi überlassen wollte, versteht sich von selbst. Und so kommen wir in den Genuss einer typischen Chaplin-Partitur mit einem leicht melancholischen Unterton und viel circensischem Kolorit, gespickt mit einem Feuerwerk an Zitaten aus Klassik und Volkslied.

Dass die unübertroffene Prägnanz der zahllosen filmischen Pointen mit dem Schuhsohlen-Dinner und dem Brötchentanz als geradezu legendäre Höhepunkte die Musik fast vergessen lässt, spricht nicht nur für die Qualität des Films, sondern auch für das musikalische Einfühlungsvermögen Chaplins.

Das Publikum verfolgte die Vorstellung geradezu gebannt und sparte nicht mit Beifall.

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