Aachen: Aachener Modellautos in aller Welt geschätzt

Aachen: Aachener Modellautos in aller Welt geschätzt

Die Autos von Paul G. Lang haben eine Motorhaube, die man aufstellen kann; sie verfügen über eine üppige Inneneinrichtung, die Rennwagen sind mit Sponsorenaufklebern übersät und die historischen Lastwagen bestechen mit glänzendem Lack und mächtigen Diesel-Aggregaten.

Und sie finden Platz in einem mittelgroßen Wohnzimmer: Der Aachener baut mit seiner Firma Minichamps Miniaturmodelle in hoher Detailtreue.

Rund 6000 Modelle und -varianten sind seit der Firmengründung 1990 entstanden, weltweit stehen derzeit nach Langs Schätzung rund 20 Millionen Minichamps-Fahrzeuge in den Sammlervitrinen. An das erste Modell erinnert sich Lang noch genau: „Es war ein Audi V8 in der Tourenwagen-Version von Hans-Joachim Stuck.” Ein Blick in den aktuellen Katalog zeigt:

Es gibt kaum etwas mit Radantrieb, das die Aachener nicht anbieten. Seite 77: BMW M3GTR, silber. Seite 159: Honda NSR500 in der Rennversion von Loris Capirossi. Seite 146: Mercedes Axor1840 der Nordsüd-Spedition. Seite 83: Opel Kadett C von 1973 in unglaublich schreiendem Grünton. Seite 142: Boehringer-Unimog aus den 50er-Jahren in Farben der Deutschen Bundespost. Seite 16: Jordan-Ford 191 in der Version von Michael Schumacher, eingesetzt beim belgischen Formel-1-Grand-Prix 1991 in Spa.

Geheime Konstruktion

Die Liste ließe sich ins schier Endlose verlängern - zumal Minichamps ständig nachlegt: „Pro Jahr bringen wir rund 600 neue Modelle und Modellvarianten auf den Markt”, erklärt Lang; darunter sind rund 120 „echte” Formneuheiten. Damit sichere sich die Aachener Firma Platz eins weltweit: Kein Hersteller schafft mehr. Minichamps produziert die Modelle in einer breiten Auswahl von Maßstäben: Die größten Modelle erschienen in sechsfacher Verkleinerung (Motorräder), im Maßstab 1:8 gibt es Formel-1-Rennwagen, danach kommen 1:12-Motorräder, dann die breite Palette von 1:18-Modellen (Pkw, Sportwagen, Formel 1) und am Ende der Skala rangieren die „kleinen” Pkw, Lastwagen und Rennautos im Maßstab 1:43.

Die Modelle werden in China hergestellt; mit Entwicklung und Verwaltung sind im Aachener Firmensitz rund 50 Menschen beschäftigt. Dabei gleicht die Abteilung Konstruktion mitunter einem Hochsicherheitstrakt: „Wir fertigen viele Modelle, die zeitgleich zur Präsentation des großen Fahrzeugs vorgestellt werden und den Autoherstellern als Werbegeschenke dienen.” Und weil die Firmenphilosophie des Hauses das Wort „Originalgetreu” ganz oben führt, müssen die Aachener die geheimen Konstruktionspläne der Fahrzeuge besitzen und bis zu 18 Monate Arbeit in ein neues Modell investieren; also entwickeln die Minichamps-Experten immer dicht auf den Fersen der „echten” Autobauer und müssen dabei äußerst diskret zu Werke gehen.

In diesen Tagen „rollt” eine Neuentwicklung zum Sammler, bei denen die Minichamps-Entwickler kein Problem mit der Geheimhaltung hatten. Der Mercedes L6600 mit Pritsche (Maßstab 1:18) stammt aus den frühen 50er-Jahren und stellte die Aachener vor ganz andere Schwierigkeiten: „Es war fast unmöglich, Originalpläne zu bekommen”, berichtet Lang und schiebt das Modell stolz über den Tisch: 2,5 Kilo schwer ist der blaue Koloss, zusammengesetzt aus 400 Teilen, Kostenpunkt: im dreistelligen Euro-Bereich. Lang ist zuversichtlich:
Bei den rund 1000 deutschen Fachgeschäften, die Minichamps-Modelle vertreiben, werde der Benz schnell über die Theke gehen.

2004 gibts etwas ganz Neues von Minichamps: Das Unternehmen will im Firmensitz an der Charlottenburger Allee ein Modellauto-Museum einrichten.

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