Aachen: Aachener Festival und Wettbewerb „MozARTe“ eröffnet

Aachen : Aachener Festival und Wettbewerb „MozARTe“ eröffnet

Zum 14. Mal lockt der Internationale Klavierwettbewerb „MozARTe“ begabte junge Pianisten in die Aachener Musikhochschule, um sich einen der begehrten Preise im Wert von bis zu 3000 Euro zu erspielen. 30 Teilnehmer sind eingetroffen, um sich bis zum kommenden Freitag dem Urteil einer achtköpfigen, ebenfalls international zusammengesetzten Jury unter Vorsitz der künstlerischen Leiter Andreas Frölich und Ilja Scheps zu stellen.

Dass man bei der Auswahl der Juroren wieder auf ein hohes künstlerisches Renommee Wert gelegt hat, zeigte sich im gut besuchten Eröffnungskonzert, als sich mit dem Italiener Antonio di Cristofano und dem Russen Yuri Bogdanov aus dem Jury-Team zwei gleichrangige Meister mit unterschiedlichen persönlichen Profilen vorstellten. Mozart war zwar nicht zu hören, aber der wird gleich mit vier Klavierkonzerten am kommenden Freitag um 19.30 Uhr im Ballsaal des Alten Kurhauses nachgeliefert, wenn sich die Finalisten des Wettbewerbs um die lukrativen Preise „streiten“ werden.

Mit Präzision und großer Geste

Am Eröffnungstag reichte die Repertoire-Palette von Bach bis Alban Berg. Antonio di Cristofano eröffnete mit der groß angelegten „Polonaise Fantasie“ op. 61 von Frédéric Chopin, die nur noch episodenhaft an den Tanzcharakter einer Polonaise erinnert und sich als formal und stilistisch extrem komplexes Fantasiestück entpuppt. Mit formaler Übersicht und spieltechnischer Versiertheit wurde di Cristofano den Anforderungen vollauf gerecht, wobei der Ton im akustisch nicht unproblematischen Kammermusiksaal bisweilen härter ausfiel als beabsichtigt. Ein kleines Problem, das bei den abgeklärt vorgetragenen späten Klavierstücken von Johannes Brahms op. 118 keine Rolle mehr spielte. Und mit Alban Bergs einziger Klaviersonate op. 1 empfahl sich di Cristofano als Pianist, der das Werk nicht nur intellektuell erfassen und seine diffizilen Strukturen klar zum Ausdruck bringen konnte, sondern auch den emotionalen Gehalt spürbar werden ließ. Insgesamt ein von sympathischer Sensibilität geprägter Vortragsblock.

Danach präsentierte sich mit Yuri Bogdanov ein Pianist der anderen Art. Auch wenn er mit dem effektvollen Husarenritt des 1. Mephisto-Walzers von Franz Liszt und Rachmaninows Prélude in gis-Moll op. 31,12 stürmische Begeisterung entfachte, verdient sein Vortrag der weiträumigen Partita Nr. 6 e-Moll von Johann Sebastian Bach besonderes Interesse. Mit großer Geste unterstrich Bogdanov den improvisationshaften Charakter des einleitenden Präludiums und etlicher Figurationen in den kleineren Tanzsätzen, während er die beiden großen Fugen mit messerscharfer Präzision und gläserner Klarheit herausmeißelte. Die folgenden Miniaturen mit Charakterstücken von Liszt, Tschaikowsky, Skrjabin und Rachmaninow gerieten zu Selbstläufern, bei denen sich Bogdanov von Stück zu Stück steigerte und mitunter die Grenze zu überdrehter Hektik nicht scheute.

Ein Eröffnungsabend, dessen Qualität als Signal für die kommenden Tage gesehen werden kann.

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