1. Kultur

Aachen: Aachener Fachhochschüler heben auch am Boden ab

Aachen : Aachener Fachhochschüler heben auch am Boden ab

Auch in diesem Jahr übertreffen die Bewerberzahlen (358) für den Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik an der Fachhochschule Aachen (FH) wieder bei weitem die Studienplätze (130). Der Mythos im Weltall und auch Großprojekte wie der Airbus A380 machen Luft- und Raumfahrt anscheinend ungebrochen attraktiv.

Doch es muss nicht immer gen Himmel gehen: An der FH Aachen werden in zahlreichen Projekten auch ganz bodenständige Anwendungsmöglichkeiten für Luftfahrtprodukte gelehrt.

Aktuell wird am Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik mit viel Engagement von sieben Studierenden an der Inbetriebnahme eines Larzac 04 Zweikreistriebwerks gearbeitet.

Das Schulungsflugzeug „Alpha Jet” der Bundeswehr und wurde der FH vor zehn Jahren zu Ausbildungszwecken überlassen. Seit vergangenem Jahr arbeitet die studentische Projektgruppe nun daran, das Triebwerk mit einer neuen modernen Steuerung wieder aufzubauen.

Erst der enge Kontakt mit der Industrie ermöglicht die Entwicklung und Realisierung der komplexen Steuerungstechnik. Jeder Studierende übernimmt dabei ein spezielles Teilgebiet, angefangen bei der Projektierung der Steuerungstechnik über die Integration von Messtechnik und Spezialsensorik im Triebwerk bis hin zur Programmierung der Messdatenerfassung und Datenauswertung im Praktikumsversuch. Zum Ende des Projektes soll das Triebwerk im Triebwerkslabor der FH Aachen getestet und vermessen werden.

„Ein tolles Gefühl”

In den letzten neun Monaten wurde bereits in einem ähnlichen Studentenprojekt gemeinsam mit industrieller Unterstützung ein neuer Teststand zur Erprobung von Flugkolbenmotoren geplant und gebaut. „Für uns sind solche Praxisprojekte die Gelegenheit, Erfahrungen im Projektmanagement in die Lehre an der Fachhochschule zu übertragen.

Die interdisziplinären Aufgaben der Projekte bereiteten die Studierenden dabei optimal auf den späteren Beruf als Ingenieur vor”, erläutert Professor Harald Funke vom Lehr- und Forschungsgebiet „Gasturbinen und Flugtriebwerke”, der beide Projekte betreut. „Daher ist der direkte Bezug zu aktueller Technologie für unsere praxisorientierte Ausbildung absolut notwendig.”

Das finden auch die beteiligten Studierenden: „Es ist ein tolles Gefühl, ein solch komplexes Industrieprojekt von der Idee bis hin zur Inbetriebnahme mit zu erleben und auch zusammen im Team mit anderen Studierenden zu gestalten”, schwärmt Lorenz Grau, der von der ersten Minute an mit dabei war.

Noch etwas innovativer gehen übrigens die Bayer Werke in Dormagen mit Larzac 04 um. Die dortigen Ingenieure haben das als Triebwerk in Deutschland kaum mehr benutzte Aggregat zu einem Feuerlöscher umfunktioniert. Mit Hilfe des durch die Triebwerke produzierten Luftstrahls kann das eingespeiste Wasser nämlich besonders fein vernebelt werden, so dass bei geringstem Einsatz von Wasser die größtmögliche Oberfläche benetzt werden kann.