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Aachen: Aachener Dommusik mit Oratorium von Ries

Aachen : Aachener Dommusik mit Oratorium von Ries

Man hörte der Aufführung an, dass Domkapellmeister Berthold Botzet besonders viel Herzblut in die diesjährige Oktobermusik investierte, mit der das Domkapitel alljährlich an das Kriegsende in Aachen 1944 erinnert.

Das Oratorium „Der Sieg des Glaubens“ aus der Feder des Beethoven-Freundes Ferdinand Ries weckt nicht nur als ausgesprochene Rarität das Interesse der Musikfreunde, sondern ist auch mit Aachen eng verbunden, wo es auf dem „Niederrheinischen Musikfest“ 1829 mit großem Erfolg uraufgeführt wurde.

Effektvolle Ensembleszenen

Der Erfolg hielt allerdings nicht lange an, so dass das Werk schnell in Vergessenheit geriet. Die Anlage des Werks, ein Disput zwischen Gläubigen und Ungläubigen mit effektvollen Chor- und Ensembleszenen, ist inmitten der extrem religions- und kirchenkritischen Zeit, ähnlich wie Haydns „Schöpfung“, als Appell zu verstehen, die Existenz Gottes als Schöpfer der Welt anzuerkennen. Ries selbst machte freilich keinen Hehl aus seiner Intention, dass ihn an dem von Konfrontationen durchzogenen Libretto vor allem die Möglichkeiten „effektvoller“ Szenerien interessierten. Chancen, die Ries reichlich nutzte, auch wenn der religiöse Gehalt ein wenig in den Hintergrund tritt.

Kernstücke sind die mächtigen, durchaus Händel würdigen Chöre, mit denen die Gläubigen und Ungläubigen ihren Disput austragen. Hier kann sich Berthold Botzet auf seinen wie stets glänzend vorbereiteten Domchor stützen, der die dramatische Schlagkraft der Glaubensgegner ebenso zur Geltung brachte wie die sanfteren Töne der Gläubigen. Auch die diffizilen Strukturen der Doppelchöre und sogar eines dreifach geteilten Chores bringen den Chor nicht in Bedrängnis.

Recht romantisch geht es in den Solo-Gesängen zu, deren emotionaler Gehalt Ries sehr feinfühlig auskomponierte und raffiniert instrumentierte. Die fein orchestrierte Partitur war auch beim Aachener Sinfonieorchester bestens aufgehoben, gipfelnd im „Harfensäuseln“ beim Herabsinken eines „Seraph des Glaubens“, der letztlich den hartgesottensten Ungläubigen bekehrt.

Eine etwas klischeehafte, aber ganz im Sinne von Ries effektvolle Lösung des Glaubenskonflikts. Dass dieser recht konstruierte Schluss schon im 19. Jahrhundert nicht sehr glaubwürdig gewirkt haben dürfte, mag dazu beigetragen haben, dass das Werk schnell in Vergessenheit geraten ist, mindert aber nicht die Meriten der interessanten Rarität.

Das recht homogene Solistenquartett wurde den Gesängen weitgehend gerecht. In vollem Umfang Monika Eder ihrem hell leuchtenden Sopran, aber auch die Mezzosopranistin Elvira Bill und der Tenor Marcus Ullmann. Der Bassist Claudius Muth fiel mit seiner etwa unruhig geführten Stimme leicht ab.

Begeisterter Beifall für die Begegnung mit einem Komponisten, dem Aachen neben dem Oratorium auch noch die Deutsche Erstaufführung der „Neunten“ von Beethoven im Jahre 1825 zu verdanken hat.