Aachen:Reihe Orchester hautnah mit Schumann

Schumanns Rheinische Sinfonie in Aachen : Orchester hautnah zwischen Pauken und Trompeten

Dass sich Aachens neuer Generalmusikdirektor Christopher Ward mit der Publikumsansprache leicht tut, hat er schon mehrfach bewiesen. Gute Voraussetzungen für die Konzertreihe „Orchester hautnah“, in der Musiker, Dirigent und Publikum auf ungewöhnlich enge Tuchfühlung gehen.

Seine guten Deutschkenntnisse kommen Ward natürlich entgegen, auch wenn er langsamer sprechen könnte, um die Textverständlichkeit auf jedem Platz im gut besuchten Eurogress noch verbessern zu können.

Nach den ersten beiden rundum gelungenen Versuchen unter Leitung von Justus Thorau widmete sich Ward Robert Schumanns „Rheinischer Symphonie“. Das Publikum saß wieder kreisförmig um den Dirigenten gruppiert, die Musiker platzierten sich weit verstreut unter das Publikum.

Das rein klangliche Erlebnis bleibt natürlich gewöhnungsbedürftig, wenn man etwa zwischen zwei Bratschen und der Pauke sitzt und der Rest des Orchesters nur von weiter Ferne zu hören und teilweise nur zu erahnen ist. Abstriche, die durch Einblicke in Einzelstimmen wettgemacht werden, worin letztlich auch der Sinn der Reihe besteht.

Eine Bewertung der Interpretation ist angesichts derart partieller Höreindrücke nicht möglich, so dass die Intentionen des Dirigenten eher aus seinen Kommentaren als aus dem klanglichen Ergebnis geschlossen werden können. Ward nahm sich viel Zeit für die Einführung und demonstrierte vor der Gesamtaufführung an vielen Details seine sehr persönliche „Analyse“. Eine emotional geprägte, von individuellen Assoziationen bestimmte und deshalb nicht in allen Punkten nachvollziehbare Werkdeutung, die sich im ersten Satz in recht langatmigen Details verlor. Da wäre eine Straffung sinnvoll.

Ergänzt wurde der Vortrag durch ein Schaubild, das die fünf Sätze der in Düsseldorf entstandenen Symphonie mit einer Schiffsreise von Düsseldorf nach Köln in Verbindung bringt. Eine nette Idee mit begrenztem Informationsgehalt.

Gleichwohl folgte das Publikum sowohl der Einführung als auch dem kompletten Vortrag der Symphonie aufmerksam und reagierte mit großem Beifall.

Am 3. Mai 2019 wird die Reihe mit Antonín Dvořáks 8. Symphonie fortgesetzt.

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