Aachen: Aachen feiert den großen Sohn Ludwig Mies van der Rohe

Aachen: Aachen feiert den großen Sohn Ludwig Mies van der Rohe

Eine Frage musste auch nach diesem Wochenende mit all den Veranstaltungen, Diskussionsrunden und hervorragenden Ausstellungen ungeklärt bleiben: Warum sich in Aachen, der Stadt, in der der Jahrhunderarchitekt und -Designer Ludwig Mies van der Rohe auf den Tag genau vor 125 Jahren geboren wurde und in der er die ersten 19 Jahre seines Lebens verbrachte, kein Bauwerk des großes Mannes findet?

Sicher, die ganze Bundesrepublik hatte nach dem Krieg keinen entspannten Umgang mit dem in die USA emigrierten Mies entwickeln können; es ist kein Zufall, dass er nach 1945 in Deutschland lediglich die Neue Nationalgalerie in Berlin baute.

Sicher, in Aachen ist eine Straße nach ihm benannt, und das Berufskolleg für die Technik, Nachfolger der Gewerbeschule, die Mies besucht hatte, trägt seinen Namen. Aber das sollten Selbstverständlichkeiten sein. Ansonsten ist Mies nicht präsent im Bild seiner Geburtsstadt, die ihn, da waren sich alle Festredner und Experten einig, auch für seine Arbeit so nachhaltig geprägt hatte.

Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach beim Festakt im Krönungssaal des Rathauses von einem Defizit. Er rief dazu auf, mehr Mut zu beweisen im Umgang mit moderner Architektur. Die Stadt müsse sich dem stellen.

Gerda Breuer, Professorin für Kunst- und Designgeschichte an der Bergischen Universität Wuppertal, die in ihrem Festvortrag den theoretischen Unterbau geliefert hatte, formulierte es ähnlich: Mies und sein Wirken müssten für Aachen eine „produktive Herausforderung sein”. Man kann diesen Worten Gewicht geben, die Professorin hat an der RWTH studiert und kennt also die Stadt.

Dirk Lohan wird sich diese Frage auch gestellt haben, bei seinen Auftritten in diesem Tagen schlug der Enkel von Mies, der dessen Büro in Chicago fortführt und der mit seiner Schwester Ulrike Schreiber-Lohan und deren Tochter Claudia nach Aachen gekommen war, aber eher verbindliche Töne an.

Er sei überwältigt und erstaunt über die Fülle der Veranstaltungen, betonte Lohan immer wieder: ein überaus sympathischer, offener und unprätentiöser Mann, der herrliche Anekdoten erzählen kann und gerne erzählt; Anekdoten, die den Menschen Mies (be)greifbar machen. Was er beim Festakt reichlich tat. Er endete mit deutlichen Worten: „Mies war immer stolz auf seine Ursprünge in Aachen. Die Stadt sollte auch stolz sein.”

Dass sich Aachen nicht immer leicht getan hat mit Mies, wurde auch bei einer Podiumsdiskussion im Ludwig Forum deutlich. Der veranstaltende Verein Mies van der Rohe Haus bekam auf die Frage, ob denn auf dem neuen Campus Melaten nicht ein Gebäude nach benannt werden könnte, nicht die erhoffte eindeutig positive Antwort.

Immerhin: Harald K. Lange, Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, erwähnte einen Neubau des Sonderforschungsbereichs Textilbeton der RWTH auf der Aachener Hörn, in dem ein Raum Mies gewidmet werden könnte.

Das ist nicht viel. Nachhaltiger könnte da vielleicht eine kleine Geste am Rande sein. Lange und Lohan tauschten Visitenkarten aus. Da ja in Zukunft viel zu bauen ist in der Stadt, könnte immerhin der Mies-Enkel, selbst ein renommierter Architekt, bauliche Spuren hinterlassen. Das wäre doch mal was.

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