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Aachen: Aachen auf dem Weg zum Knotenpunkt

Aachen : Aachen auf dem Weg zum Knotenpunkt

Wenn Hans Joachim Sistenich von der Modernisierungsoffensive 2009 bis 2015 spricht, dann nutzt er nicht ohne Grund die Bilder gestellter Weichen, er spricht vom „Einfahren” der Früchte nach geleisteter Arbeit.

In seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR) und der Aachener Verkehrsverbund GmbH (AVV) klärt er über die laufenden und geplanten Verbesserungen in puncto grenzenlose Mobilität im ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) auf.

„Natürlich stoßen wir heute noch auf viele Hindernisse. Wer heute von Aachen über Belgien in die Niederlande möchte, muss sich nicht nur in drei unterschiedlichen Ticketsystemen sondern auch in drei unterschiedlichen Bahnnetzen zurecht finden”, sagt Sistenich.

„Doch auch daran arbeiten wir. Wir haben die unterschiedlichsten Akteure der Euregio an einen Tisch geholt. Ende Juni wurde eine gemeinsame Absichtserklärung zur Verbesserung grenzüberschreitender Verkehrsbeziehungen unterschrieben.”

Fünf neue Stationen

Zudem seien bisher bereits fünf neue Stationen im grenzüberschreitenden Schienennetz und neue Verknüpfungspunkte entstanden, gemeinsame Informationsmedien in die drei Landessprachen übersetzt und Untersuchungen für neue Infrastrukturen initiiert worden.

Bis 2015 soll die Verbindung in die Niederlande soweit verbessert und eine Vernetzung mit der Rurtalbahn geschaffen werden, dass Fahrgäste dann von Linnich über Stolberg und Aachen durch das Avantis-Gelände nach Kerkrade, Heerlen oder bis Maastricht durchfahren können.

Das bedeutet auch, dass erstmals eine Direktverbindung vom Forschungszentrum Jülich in die Niederlande ermöglicht wird. An den Werktagen pendelt der Zug dann voraussichtlich zwischen Linnich und Maastricht, während er am Wochenende von Maastricht nach Heimbach fährt.

Nach Belgien soll ein IC Reisende von Aachen und Brüssel über Lüttich bis nach Ostende mitnehmen. „Dann erhält der Bahnhof Aachen endlich den Stellenwert, den er verdient - den des internationalen Knotenpunktes”, sagt Sistenich. Diesen Knotenpunkt werden dann Züge mit den Zielen Eindhoven, Paris, Brüssel oder Maastricht passieren.

Doch auch innerhalb der Landesgrenzen wird sich einiges zum Besseren verändern. Am 12. Juni wurde das Förderprogramm für ÖPNV-Investitionsmaßnahmen durch den Landtag beschlossen.

Grundlage für das Programm bildet eine gemeinsame Vorhabenliste, die auch die Abwicklung bereits bewilligter Maßnahmen enthält. In Richtung Köln soll zum Beispiel die Strecke Teil eines Premium-Produktes Rhein-Ruhr Express (RRX) werden, sodass eine Fahrt mit dem neuen RRX spätestens 2015 bis nach Dortmund und Hamm führen kann.

Regional spielt auch die Sanierung von Bahnhöfen eine wichtige Rolle: Durch die Anhebung der Bahnsteige von 38 auf 76 Zentimeter wird der Einstieg für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen erleichtert.

Zudem soll zwischen Langerwehe und Düren ein drittes Gleis angelegt werden. „Einen Bypass für die Euregiobahn”, nennt der AVV-Geschäftsführer diese Maßnahme, die zu einer Entlastung der Strecke führt und somit hilft, Verspätungen abzubauen.

Durch den Ringbahnschluss von Alsdorf Annapark nach Stolberg Hauptbahnhof mit insgesamt fünf neuen Haltepunkten wird ein 30-Minuten-Takt zwischen Aachen und Alsdorf angestrebt.

Dies und die Neubaustrecke von Weisweiler über Langerwehe bis Düren sollen bis 2010 fertiggestellt werden.

Schritt für Schritt

Im Landesförderprogramm 2008 - 2013 wurde darüber hinaus die Reaktivierung der Strecke Lindern - Heinsberg mit Anbindung an Aachen aufgenommen. „Die Verkehrsinfrastruktur in der Aachener Region wird immer besser. Noch nie wurde in einem vergleichbaren Zeitraum in den Ausbau so viel investiert. Es geht Schritt für Schritt voran”, so lautet das Resümee des Parlamentarischen Staatssekretärs Achim Großmann (SPD), der diese Entwicklung entscheidend geprägt hat. Die Planungen laufen also auf Hochtoren und: „Die Weichen sind gestellt.”