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Aachen: 35.000 Eltern setzen dem Generalvikar zu

Aachen : 35.000 Eltern setzen dem Generalvikar zu

Die riesige Protestwelle droht ins Leere zu laufen: Gewaltige 35.000 Unterschriften gegen Kürzungen im Kindergartenbereich will die Initiative „Prokiga” (pro katholische Kindergärten) am Freitagmorgen Generalvikar Manfred von Holtum in die Hände drücken.

Dann will sie mit ihm über die drohende Abgabe von hunderten Kindergartengruppen aus katholischer Trägerschaft ins Gespräch kommen. Gleichzeitig ist aber das streng geheime Sanierungspaket der Aachener Bistumsleitung bereits fest geschnürt - inklusive Streichliste. Das 20-seitige Sparkonzept liegt schon zur Verschickung an die Mitglieder des Kirchensteuerrates bereit. Das Gremium muss - so das übliche Procedere - einige Tage vor der entscheidenden Sitzung am Samstag, 15. Mai, Gelegenheit haben, den Plan vor der Beschlussfassung durchzuarbeiten. 50 Millionen Euro will man in den kommenden drei Jahren sparen - so viel steht fest. Und auch der Haushalt 2004 soll nun im dritten Anlauf verabschiedet werden.

Kindergartenbereich bleibt großer Sparposten

Konkrete Sparposten möchte die Kirchenleitung erst am Sitzungswochenende öffentlich machen. „Tatsache ist jedoch, dass der erste Sanierungsentwurf entschärft wurde - besonders im Bereich Kinder und Jugend”, sagt Bistumssprecher Jobst Rüthers am Dienstag. Klar ist aber ebenso, dass der Kindergartenbereich (18,5 Millionen Kosten für das Bistum im Jahr 2003) einer der größten Sparposten auf der Streichliste bleibt.

Das ergibt sich schon aus demographischen Prognosen: Weil zu wenig Anmeldungen vorliegen, wird man noch dieses Jahr mehrere der 1071 Gruppen schließen - bis 2007 etwa 230 Gruppen. Und die ursprünglich angedachte zehnprozentige Kürzung der Ausgaben für Kindergärten hätte die Abgabe von rund 100 Kindergartengruppen zur Folge - dies hatte eine Arbeitsgruppe des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) errechnet. Für viele der 2798 Mitarbeiter, die sich in 364 Kindergärten des Bistums um rund 25.500 Kinder kümmern, hätte das dramatische Konsequenzen. Zur Debatte stehen inzwischen radikalere Kürzungen im Bereich von 25 Prozent...

Eltern wollen früher Gewissheit

„Es sind viele Zahlen im Umlauf, vieles ist Spekulation. Gewissheit wird erst der 15. Mai bringen”, sagt Monika Brams, Abteilungsleiterin im Bereich Beratung und Erziehung der Caritas. Doch die Eltern-Initiative „Prokiga” will früher Gewissheit: „Der Generalvikar soll uns genau sagen, wie viele Gruppen er schließen will”, sagt die stellvertretende Vorsitzende Sigrid Bonell.

Seine Marschrichtung hat von Holtum intern bereits festgelegt. Nur der Kirchensteuerrat kann noch weitere Kurskorrekturen erzwingen. Das gilt genauso für die drohende Kündigung von hunderten Mitarbeitern auf Bistums- und Gemeinde-Ebene sowie die geplante Schließung der Regionalstellen. Die Zeit läuft gegen den Protest.