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Düsseldorf: 300 Polizisten heben Erpresserbande im Rheinland aus

Düsseldorf : 300 Polizisten heben Erpresserbande im Rheinland aus

Rund 300 Polizisten sind am Mittwoch im Rheinland gegen mutmaßliche Erpresser von türkischen Geschäftsleuten vorgegangen. Fünf Verdächtige im Alter von 28 bis 54 Jahren seien festgenommen worden, davon einer in Belgien, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Düsseldorf mit.

Die martialisch auftretende Bande habe ihren Geldforderungen gegen die Kleinunternehmer mit Morddrohungen, geladenen Schusswaffen und Schlägen Nachdruck verliehen. Teilweise seien sogar Geiseln genommen worden. Auf diese Weise habe die Bande etwa 100.000 Euro erpresst.

Um 5.30 Uhr am Mittwochmorgen waren schwer bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei in die Wohnungen der Verdächtigen eingedrungen und hatten das Treiben beendet. Zeitgleich wurden fünf Haftbefehle vollstreckt sowie 24 Wohnungen, Cafés und Trinkhallen durchsucht. Die Razzia fand in Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal, Köln, Duisburg, Herne, Hilden und Hasselt (Belgien) statt.

Unter dem Vorwand, angebliche Schulden von den Geschäftsleuten einzufordern, seien die Verhafteten als Inkasso-Eintreiber aufgetreten. Die Opfer wurden dabei massiv eingeschüchtert und auch ständig von den Erpressern heimgesucht. Manchmal seien die Kaufleute auch in bestimmte „Etablissements” nach Düsseldorf einbestellt worden, wo ein „Tribunal” auf sie gewartet habe.

Ein Teil der Bande war bereits früher festgenommen worden und steht derzeit wegen weiterer Fälle unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Düsseldorfer Landgericht. Durch das Abhören von Telefonen waren Ermittler für Organisierte Kriminalität auch den übrigen mutmaßlichen Bandenmitgliedern auf die Schliche gekommen.

Unter dem Eindruck der Ermittlungserfolge hätten inzwischen insgesamt 20 Opfer sowie Zeugen ihr Schweigen gebrochen und gegen die Bande ausgesagt, berichtete Staatsanwalt Uwe Willuhn. Den türkischen Verdächtigen drohen nun bis zu 15 Jahre Haft. Sie waren bisher noch nicht einschlägig aufgefallen.

Ein Zusammenhang zu der bundesweiten Mordserie an neun überwiegend türkischen Kleinunternehmern sei nicht erkennbar. Der Mordserie sind seit September 2000 in Nürnberg, München, Rostock, Hamburg, Dortmund und Kassel acht Türken und ein Grieche zum Opfer gefallen. Als Hintergrund wird Erpressung nicht ausgeschlossen.