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Schinnen/Amsterdam: 15 Hells Angels stehen vor Gericht

Schinnen/Amsterdam : 15 Hells Angels stehen vor Gericht

Niederländische Medien sprechen schon von einem Monsterprozess: Am Montag beginnt im Hochsicherheitsgebäude „De Bunker” in Amsterdam der auf vier Wochen angesetzte Prozess gegen 15 Hells Angels aus Limburg.

Sie sollen auf gemeinsamen Beschluss hin ihren Anführer Paul de Vries, seine Rechte Hand Serge Wagener und seinen Schwiegersohn Cor Pijnenburg im Streit um eine 300-Kilo-Lieferung Kokain liquidiert haben. Deren Leichen wurden am 13. Februar 2004 in einem Bach gefunden.

16 Verhandlungstage

Wegen der großen Anzahl Verdächtiger, Anwälte und Journalisten kann das Publikum das Verfahren nicht direkt verfolgen. Allerdings wird der Prozess per Videokonferenz in einem anderen Gerichtsgebäude zu verfolgen sein. An den wichtigsten der vorerst 16 anberaumten Sitzungstagen werden auch zahlreiche Mitglieder oder Anhänger der Hells Angels erwartet.

Schon vor dem Dreifach-Mord waren die „Nomads”, wie sich die limburgische Abteilung der Motorrad-Gang nennt, ins Visier der Ermittler geraten. Aus Deutschland und Belgien gab es Hinweise auf Drogenhandel und Schutzgeld-Erpressungen, wie sie auch in Sittard und Maastricht vorgekommen waren. Doch als die niederländische Justiz im Januar 2004 ihre Nachforschungen intensivierte, war der große Kokain-Deal schon ein halbes Jahr vorbei.

Erste Einblicke in die innere Organisation der „Nomads” kamen von einem Mitglied des einstmals befreundeten Motorrad-Clubs „Brothers MC Caribbean”. Aufgrund seiner Hinweise wurden fast alle Mitglieder der „Nomads” festgenommen. Einige von ihnen belasteten Paul de Vries schwer. So soll er elf bis 15 Morde auf seinem Gewissen haben. Darunter auch den an Steven John Chocolaad, der auch an dem riesigen Kokain-Schmuggel von Curacao in die Niederlande beteiligt gewesen war. Sein Rumpf wurde im Julianakanal gefunden.

Ihr Clubhaus hatten die „Nomads” seit 2002 in Schinnen-Orsbeek in einem ehemaligen Bordell. Und während De Vries sich nach außen leutselig gab - er wollte zum Beispiel den Kinderchor des Ortes sponsern - musste er schon damals nach Aussagen von Clubmitgliedern regelmäßig abtauchen, um der Rache von türkischen, kolumbianischen und belgischen Drogenbanden zu entgehen.

Begraben wurde De Vries in der Sittarder Gruft der „Nomads”. Damals gaben ihm hunderte Hells Angels das letzte Geleit.