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Aachen: 1,3 Millionen Euro aus Parkuhren eingesteckt

Aachen : 1,3 Millionen Euro aus Parkuhren eingesteckt

„Wenn Sie behaupten, Frau Staatsanwältin, mein Mandant habe die Münzen einmal im Monat in einem Sack aus dem Amt geschleppt, dann lasse ich einen Kraftsportler als Experten kommen.”

Der Aachener Rechtsanwalt Wolfram Strauch wollte mit dieser ungewöhnlichen Drohung vor der Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Heinz-Dieter Carduck bildhaft demonstrieren, dass eine Summe von 1.342.831 Euro in Münzen selbst gestückelt in monatliche Tranchen bei weitem zu schwer ist und die Muskeln eines Menschen überfordert.

Der Fall ist kurios. Das verschwundene Geld soll von den Einnahmen aus den 330 „Groschen- bzw. Centgräbern” in Aachen abgezweigt worden sein. Vor Gericht steht ein altgedienter Beamter der Stadtkasse.

Er war bis zu seiner Verhaftung am 22. Oktober 2004 für die Zählung der Münzen aus den Automaten und für die Einahmen aus der Stadtbibliothek zuständig - leider, wie die Staatsanwaltschaft meint, die ihn wegen „schwerer Untreue” anklagt.

Der heute 39-Jährige soll in 42 Fällen von Januar 2000 bis Mitte 2003 monatlich beispielsweise mal 20.000, mal 90.000 oder auch nur 5000 Euro (D-Mark bis zur Währungsumstellung 2002) auf eigene Konten und Konten von Bekannten und Freunden gelenkt haben.