Erkelenz-Lövenich: Kritischer Blick auf die „Wühlmäuse”

Erkelenz-Lövenich: Kritischer Blick auf die „Wühlmäuse”

Begleitumstünde rund um den Waldkindergarten „Wühlmäuse” in Lövenichgeraten in die Kritik. Als Teilnehmer des europaweiten Comenius-Projektes setzen sich die Kinder und Erzieher unter anderem mit dem Naturerleben auseinander.

Ziel des Projektes ist es, Eigenverantwortung und soziales Engagement zu fördern und zu stärken.

In Lövenich wird das mittlerweile durchaus kritisch gesehen. Vor allem Anwohner des Kindergarten-Bauwagens, der auf der Wiese neben dem Bolzplatz steht, melden sich zu Wort. Sie befürchten, dass der angrenzende Wald durch die Aktivitäten der Wühlmäuse ernsthaften Schaden nimmt.

Paul Jäschke ist einer der Anwohner. Er habe schon anfangs seine Bedenken gegen den Standort gehabt, erklärt er. Diese Bedenken scheinen sich seiner Meinung nach zu bestätigen. „Dabei geht es nicht um Krach”, betont er. Darüber hinaus legt er Wert darauf, dass sich der Groll der Anwohner nicht gegen die Kinder richtet.

Sie sehen den Schwarzen Peter bei den Mitarbeiterinnen des Waldkindergartens, die ihrer Verantwortung nicht nachkommen und im Wald „regelrechte Schlachtfelder” hinterlassen. Regelmäßig werde das Naturschutzgebiet „umgepflügt” und in einem unzumutbaren Zustand zurückgelassen. Denn ihrem Namen machen die „Wühlmäuse” nach seienr Auffassung allem Anschein nach alle Ehre. „Da sind Wurzeln freigelegt und auf dem Weg Löcher gebuddelt worden”, weiß Jäschke. Eine Anwohnerin sei schon im Bereich der Schutzhütte Opfer einer dieser Stolperfallen geworden und habe sich eine Verstauchung zugezogen. Auch lägen Fotos vor, die eine Mitarbeiterin der „Wühlmäuse” beim Entladen von Gartenabfällen auf dem Bolzplatz zeigten. „Anschließend wurde mehrmals mit dem Auto über den Haufen gefahren, um ihn einzuebnen”, so Jäschke. Auf Gesprächsversuche werde seitens des Waldkindergartens nicht reagiert.

Der Initiator der Wühlmäuse, Florian Kuß, weist die Vorwürfe von sich. „Es wird immer übersehen, dass wir nicht die Einzigen sind, die den Wald nutzen”, erklärt er auf Nachfrage. Er selbst habe schon Mopedfahrer im Wald beobachtet, die sich fröhlich Rennen auf den Wegen lieferten. Auch Beschwerdeführer Jäschke habe er schon Kritiker des Waldkindergartens mit Auto im Wald gesehen, wo sie Holz sammelten.

Als Kuß von den angeblichen Verschmutzungen an der Schutzhütte und der dortigen Bank erfahren habe, seien diese von den „Wühlmäusen” gereinigt worden, „obwohl nicht feststeht, dass wir es waren”.

Darüber hinaus plagen ihn dieselben Probleme wie die Anwohner. So habe er schon mehrmals feststellen müssen, dass der Bolzplatz an den Wochenenden für Brems- und Schleudermanöver mit Autos missbraucht werde. „Deswegen hatten wir schon das Ordnungsamt hier”, berichtet Kuß. „Uns wurde versprochen, dass die Sache weiterverfolgt wird.” Ohne ein Kennzeichen könnten die Schuldigen aber nicht ausgemacht werden. Hier wiederum kann wiederum Jäschke helfen. Denn ihm liegen Fotos vor, die ein Auto nebst Kennzeichen auf dem Bolzplatz in Aktion zeigen.

Bisher, so betont er, sei er aber mit seinem Anliegen bei der Stadt auf taube Ohren gestoßen. Dies kann der erste Beigeordnete Dr Hans-Heiner Gotzen nicht bestätigen. Auf Nachfrage erklärte er, dass sofort Kontakt zum Kindergarten aufgenommen werde, wenn es Beschwerden bei der Verwaltung gegeben habe. „Wir gehen allen Vorwürfen nach und prüfen sie”, so Gotzen. „Und wir erwarten, dass die Wühlmäuse reagieren, wenn etwas schiefläuft.”

Den Kritikern scheint das nicht zu reichen. „Mit Naturpädagogik hat das, was die da machen, meiner Meinung nach nichts zu tun”, so Jäschke.

Der Meinung sind anscheinend immer mehr Lövenicher. Mittlerweile wurden rund 50 Unterschriften von Anwohnern gesammelt, die auf Abhilfe seitens der Stadt hoffen. Schließlich sei die Stadt ja Eigentümer des Bolzplatzes, der immer wieder in Mitleidenschaft gezogen werde.

Die angrenzende Wiese von rund 300 Quadratmetern, auf der auch der Bauwagen der Wühlmäuse steht, wurde an den Trägerverein verpachtet. „Hier haben wir Hausrecht und lassen uns auch nicht reinreden”, betont Kuß. Von Gesprächsversuchen seitens der Anwohner sei ihm nichts bekannt, allerdings sei er auch an einem Austausch interessiert. „Schließlich verfolgen wir ja dieselben Ziele”, ist er sich sicher.

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