Aachen: „Kriegstreiber”-Rufe und lautstarke Proteste

Aachen : „Kriegstreiber”-Rufe und lautstarke Proteste

Das Bad in der Menge ließ sich der neue Karlspreisträger Javier Solana am Donnerstag auch von den etwa 70 lautstark protestierenden Demonstranten nicht nehmen. Die empfingen ihn unmittelbar im Anschluss an den Festakt im Aachener Rathaus auf dem Markt mit „Kriegstreiber”-Rufen und schwenkten Plakate mit Aufschriften wie „Der Karlspreis ist eine Schande für Aachen”, „Keine Militarisierung Europas” und „Kein Karlspreis für Kriegstreiber”.

Davon weitgehend unbeeindruckt steuerten Oberbürgermeister Jürgen Linden, Preisträger Solana und die zahlreichen Ehrengäste den Katschhof an, wo sie von mehreren hundert Bürgern begeistert empfangen wurden.

„Für mich ist dieser Tag in Aachen ein großes Erlebnis”, sagte Solana. Linden lobte ihn als „den besten Preisträger, den man überhaupt wählen konnte”. Zahlreiche Zaungäste sahen dies offenbar ähnlich und applaudierten lange. Auf dem Weg durch die Innenstadt ließ es sich Solana kurz nach Mittag nicht nehmen, zahlreiche Hände zu schütteln und kürzere Gespräche zu führen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die eher kleine Gruppe der Solana-Kritiker im Hof versammelt, der vom Antikriegsbündnis Aachen offiziell für eine Gegenkundgebung ab 11 Uhr angemeldet war, bis gegen 13 Uhr aber weitgehend verwaist geblieben ist.

Denn trotz der Versuche der Polizei, die Demonstranten vom Markt fernzuhalten, haben die sich während des Festakts vor dem Rathaus versammelt. Sie beriefen sich auf das Recht auf Meinungsfreiheit, von dem Solana zeitgleich im Krönungssaal sprach, und kritisierten die aus ihrer Sicht zunehmende Militarisierung der europäischen Außenpolitik und forderten einen Stopp der Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Weil der Protest zwar laut war, aber völlig friedlich blieb, beschränkte sich die Polizei auf einige Gespräche mit den Wortführern und intensive Beobachtung der Demonstranten.